Für den Aufbau reicht ein Abend, und die Hardware kostet etwa so viel wie eine Pizza. Am Ende verbindet sich Ihr Handy oder Laptop von jedem öffentlichen WLAN aus zurück zu Ihrem Zuhause, mit einem verschlüsselten Tunnel, Zugriff auf Ihr NAS oder Ihre Home Assistant, und einem Ausgang, der buchstäblich Ihre eigene Heim-IP ist.

Diese Anleitung konzentriert sich auf ein Projekt aus unserem Überblick zu VPN auf dem Raspberry Pi, das am häufigsten nachgefragte: einen persönlichen WireGuard-Server aufsetzen, Befehl für Befehl.

Was diese Anleitung abdeckt, und was nicht

Hier bauen wir einen persönlichen WireGuard-Server auf Ihrem Raspberry Pi auf, mit PiVPN. Das ist etwas anderes als ein kommerzielles VPN wie NordVPN: Es ändert nicht Ihren scheinbaren Standort und macht Sie nicht anonym unter anderen Nutzern, denn der Ausgang ist Ihre eigene Heimadresse. Im Gegenzug bekommen Sie kostenlosen, verschlüsselten Zugriff auf Ihr Heimnetz von überall, für immer, ohne Abo.

Einmal fertig eingerichtet, ermöglicht dieser Aufbau:

  1. Den Zugriff auf die Oberfläche eines NAS (Synology, QNAP, TrueNAS) von außen, ohne dessen Web-Port direkt ins Internet zu öffnen.
  2. Die Steuerung von Home Assistant oder einem anderen Smart-Home-Server außerhalb des Heimnetzes, ohne einen Cloud-Dienst eines Drittanbieters.
  3. Das Ansehen der eigenen Plex- oder Jellyfin-Bibliothek aus einem Hotel oder bei Freunden, als wäre man ein Gerät im Heimnetz.
  4. Die Fernwartung anderer Geräte im Netz (Drucker, IP-Kamera, ein weiterer Pi), ohne deren Ports einzeln am Router zu öffnen.
  5. Die Verschlüsselung der Verbindung in unsicherem öffentlichem WLAN, mit einem Ausgang, der der eigene Router ist statt ein fremder Server.

Was dieser Aufbau nicht tut: Er verbirgt nicht Ihre Heim-IP, der Exit-Node ist buchstäblich Ihr Zuhause, er entsperrt keine ausländischen Streaming-Kataloge, und er schützt nicht vor der Sicht Ihres eigenen Internetanbieters, der weiterhin WireGuard-Verkehr über Ihre Leitung sieht. Ein kommerzielles VPN und dieser eigene Server lösen unterschiedliche Probleme und ergänzen sich, statt zu konkurrieren.

Die richtige Hardware wählen: welcher Pi, welche Karte, welches Netzteil

Ein Raspberry Pi 4 (2 GB RAM reichen) oder ein Pi 5 eignen sich beide gut. Zur Orientierung: Ein Pi 4 schafft mit WireGuard im Alltag etwa 300 bis 500 Mbit/s, deutlich mehr als die meisten Glasfaseranschlüsse zu Hause brauchen. Ein Pi 5 kommt oft über 700 Mbit/s. Ein Pi 3 oder ein Zero 2 W funktionieren für dieses konkrete Projekt ebenfalls, da der Datenverkehr eines privaten Setups überschaubar bleibt, deckeln aber deutlich niedriger, bei etwa 50 bis 100 Mbit/s, was relevant wird, wenn Sie 4K-Video durch den Tunnel streamen wollen. Soll der Pi zusätzlich Pi-hole betreiben (letzter Schritt dieser Anleitung), lohnt sich ein Pi 4 oder 5, um Reserven zu haben.

Bei der Speicherkarte reicht eine hochwertige microSD-Karte (bekannte Marke, Klasse A1 oder A2) mit 32 GB völlig aus. Eine langlebigere Alternative: vom USB-3.0-Stick oder einer kleinen USB-SSD booten, was Pi 4 und 5 nativ unterstützen. Das dauert bei der Einrichtung etwas länger, beseitigt aber die häufigste Ausfallursache eines dauerhaft laufenden Pi, den Verschleiß der SD-Karte durch die ständigen Schreibzugriffe der Systemprotokolle.

Beim Netzteil das offizielle Modell für Ihre Version verwenden (5V/3A beim Pi 4, USB-C 5V/5A beim Pi 5) oder ein gleichwertiges Markennetzteil. Ein unterdimensioniertes Netzteil führt zu Spannungseinbrüchen, die sich als zufällige Abstürze, beschädigte SD-Karten und WireGuard-Verbindungen zeigen, die ohne erkennbaren Grund abbrechen. Das ist die am meisten unterschätzte Ausfallursache bei diesem Aufbau.

Und schließlich: Ethernet-Kabel zum Router bevorzugen. WLAN funktioniert, aber eine Kabelverbindung nimmt eine mögliche Fehlerquelle aus einem Dienst, der rund um die Uhr laufen soll.

Was Sie vor dem Start brauchen

Hardware: ein Raspberry Pi 4 oder 5, eine microSD-Karte mit mindestens 16 GB (32 GB empfohlen) oder ein USB-Stick/eine SSD, ein offizielles Netzteil, ein Ethernet-Kabel, und ein Computer mit SD-Kartenleser zum Flashen.

Netzwerkzugang: Zugriff auf die Admin-Oberfläche Ihres Routers, also die echten Admin-Zugangsdaten, nicht nur das WLAN-Passwort. Idealerweise eine öffentliche IP, die sich nicht zu oft ändert. Prüfen Sie, ob Ihr Anbieter CGNAT nutzt (eine öffentliche IP wird sich mehrere Haushalte teilen): In diesem Fall funktioniert das Selbst-Hosting von außen nicht, bis Sie beim Anbieter eine dedizierte öffentliche IP anfordern, was die meisten kostenlos auf Anfrage anbieten.

Schritt 1: Raspberry Pi OS auf die SD-Karte flashen

Laden Sie den Raspberry Pi Imager von raspberrypi.com/software herunter und installieren Sie ihn auf Ihrem Computer. Starten Sie das Tool und wählen Sie Raspberry Pi OS Lite (64-Bit) als System: die Version ohne Desktop-Oberfläche, für einen VPN-Server völlig ausreichend, im Dauerbetrieb genügsamer und mit kleinerer Angriffsfläche als eine Desktop-Version.

Wählen Sie Ihre SD-Karte (oder Ihren USB-Datenträger) als Ziel. Bevor Sie auf Schreiben klicken, öffnen Sie die erweiterten Optionen (das Zahnrad-Symbol, oder Strg+Umschalt+X), um vorzukonfigurieren:

  • einen Hostnamen, zum Beispiel pivpn
  • SSH aktivieren, idealerweise mit Public-Key-Authentifizierung statt Passwort (siehe Abschnitt Absicherung weiter unten, um diesen Schlüssel zu erzeugen)
  • Benutzername und Passwort
  • WLAN-Zugangsdaten, nur falls keine Ethernet-Verbindung geplant ist
  • Zeitzone und Tastaturlayout

Starten Sie den Schreibvorgang. Danach die Karte in den Pi einsetzen und per Ethernet am Router starten. Wenn SSH und Netzwerk in diesem Schritt eingerichtet sind, läuft der ganze Rest der Anleitung ohne Bildschirm oder Tastatur am Pi selbst, alles läuft vom gewohnten Computer aus, im Headless-Betrieb.

Schritt 2: per SSH verbinden und System aktualisieren

Öffnen Sie auf Ihrem Computer ein Terminal (oder PowerShell unter Windows):

ssh pi@pivpn.local

Ersetzen Sie pi durch den gewählten Benutzernamen und pivpn.local durch den zuvor festgelegten Hostnamen. Falls die .local-Auflösung nicht funktioniert (manche Router blockieren das dafür nötige mDNS-Protokoll), finden Sie die IP-Adresse des Pi in der Geräteliste des Routers und verbinden sich direkt mit ssh pi@192.168.1.XX.

Nach der Verbindung zunächst das System aktualisieren, bevor irgendetwas installiert wird:

sudo apt update && sudo apt full-upgrade -y
sudo reboot

Nach dem Neustart wieder per SSH verbinden. Ein guter Moment, um auch den verfügbaren Speicherplatz (df -h) und die CPU-Temperatur (vcgencmd measure_temp) zu prüfen.

Schritt 3: dem Pi eine feste lokale IP geben

Der Pi braucht dauerhaft dieselbe lokale IP-Adresse, sonst hört die später eingerichtete Portweiterleitung beim nächsten Neustart des Routers auf zu funktionieren. Zwei Optionen.

Die erste, empfohlene: DHCP-Reservierung am Router. In der Admin-Oberfläche des Routers den Bereich DHCP oder “verbundene Geräte” suchen, den Pi über seine MAC-Adresse finden (sichtbar mit ip link show eth0 auf dem Pi), und ihm eine feste IP reservieren, zum Beispiel 192.168.1.50. Das ist die zuverlässigste Methode, sie übersteht auch eine komplette Neuinstallation des Systems auf dem Pi.

Die zweite, falls der Router diese Option nicht bietet: die Adresse direkt auf dem Pi über sudo nmtui festlegen, eine einfache Textoberfläche, die das manuelle Bearbeiten der Netzwerk-Konfigurationsdateien erspart.

Schritt 4: PiVPN installieren

PiVPN automatisiert fast die gesamte Installation von WireGuard, die Schlüsselerzeugung und die Firewall-Konfiguration. Ein einziger Befehl startet den interaktiven Installer:

curl -L https://install.pivpn.io | bash

Der Assistent stellt eine Reihe von Fragen, hier die passenden Antworten:

  1. Wahl der VPN-Software: WireGuard statt OpenVPN wählen. Der Code ist deutlich kleiner und damit einfacher zu prüfen, das Protokoll moderner, und der Durchsatz auf schwächerer Hardware wie einem Pi spürbar höher.
  2. Lokaler Benutzer: den automatisch erkannten Benutzer bestätigen.
  3. Statische IP: PiVPN erkennt die aktuelle IP und fragt nach Bestätigung, normal, wenn Schritt 3 erledigt wurde.
  4. Lauschender Port: der Standardport (51820/UDP) passt für die meisten Fälle. Ein zufälliger Port über 10000 fügt eine kleine zusätzliche Schicht gegen automatisierte Scans hinzu, siehe den Abschnitt Absicherung weiter unten.
  5. DNS für Clients: öffentliche Resolver (Cloudflare 1.1.1.1 oder Quad9 9.9.9.9) funktionieren sofort. Kommt später Pi-hole dazu, lässt sich diese Einstellung noch ändern, ohne alles neu einzurichten.
  6. Öffentliche Adresse: Hier wird dynamisches DNS wichtig, siehe den nächsten Schritt, bevor Sie bestätigen, falls sich Ihre öffentliche IP regelmäßig ändert, was bei fast allen privaten Anschlüssen der Fall ist.
  7. Automatische Updates: zustimmen. Damit werden Sicherheitsupdates des Systems automatisch eingespielt, ohne manuellen Eingriff.

Am Ende bietet PiVPN einen Neustart an:

sudo reboot

Schritt 5: dynamisches DNS (DDNS) einrichten

Die meisten privaten Internetanschlüsse haben keine feste öffentliche IP: Die Adresse des Routers ändert sich hin und wieder, oft nach einem Stromausfall, einem Neustart, oder einfach nach ein paar Tagen oder Wochen, je nach Anbieter. Zeigt der WireGuard-Client noch auf eine inzwischen geänderte IP, schlägt die Verbindung stillschweigend fehl, ohne klare Fehlermeldung.

Die Lösung: ein Dynamic-DNS-Dienst, der einen festen Hostnamen, zum Beispiel ihrname.duckdns.org, mit der aktuellen öffentlichen IP verknüpft und automatisch aktualisiert, sobald sie sich ändert.

  1. Ein kostenloses Konto bei einem DDNS-Anbieter anlegen. DuckDNS lässt sich auf dem Raspberry Pi am einfachsten automatisieren und wird von PiVPN direkt unterstützt, aber No-IP und FreeDNS sind ebenfalls gute Alternativen.
  2. Eine Subdomain anlegen und das Authentifizierungs-Token notieren.
  3. Das automatische Update-Skript installieren, meist ein Cron-Job, der alle fünf Minuten läuft und den DNS-Eintrag aktualisiert, falls sich die IP geändert hat. Die DuckDNS-Dokumentation liefert dieses Skript als eine Zeile zum Einfügen ins Terminal.
  4. Prüfen, ob das Update funktioniert, über die vom Skript erzeugte Logdatei, die nach jedem Lauf “OK” anzeigen sollte.
  5. War PiVPN bereits mit einer rohen IP statt einem Hostnamen eingerichtet, die Client-Profile mit pivpn -a neu erzeugen, damit sie auf den richtigen Hostnamen zeigen.

Schritt 6: den Port am Router öffnen (Portweiterleitung)

Der Pi lauscht intern auf UDP-Port 51820 (oder dem in Schritt 4 gewählten eigenen Port), aber der Router blockiert standardmäßig unaufgeforderten eingehenden Verkehr aus dem Internet. Dafür braucht es eine Portweiterleitungsregel, je nach Hersteller auch Portfreigabe oder NAT/PAT genannt:

  1. Die Admin-Oberfläche des Routers öffnen, meist unter einer Adresse wie 192.168.1.1 oder 192.168.0.1 (Zugangsdaten oft auf dem Router-Etikett).
  2. Den Bereich erweitertes Netzwerk, NAT, oder Portfreigabe suchen.
  3. Eine Regel anlegen: externer Port 51820, Protokoll UDP, weitergeleitet an die in Schritt 3 festgelegte lokale IP des Pi, interner Port 51820.
  4. Speichern und, falls verlangt, den Router neu starten.

Dieser Schritt unterscheidet sich stark je nach Anbieter und Routermodell. Passt die hier beschriebene Oberfläche nicht zu dem, was Sie sehen, hilft eine Suche nach “Portfreigabe” zusammen mit dem genauen Routermodell.

Eine klassische Falle: Manche Anbieter-Router laufen im Bridge-Modus hinter einem weiteren Gerät (ein 4G/5G-Ersatzrouter, ein Repeater, der auch routet), was eine zusätzliche NAT-Schicht einfügt. Reicht die Portweiterleitung allein nicht, prüfen Sie, ob ein zweiter Router vorgeschaltet ist, der ebenfalls blockiert.

Schritt 7: ein Client-Profil anlegen und verbinden

Zurück per SSH auf dem Pi ein Profil für jedes Gerät erzeugen, das sich verbinden soll: Handy, Laptop, Tablet. Ein eigenes Profil pro Gerät, nie geteilt, damit sich ein Zugang bei Verlust oder Diebstahl einzeln widerrufen lässt:

pivpn -a

Einen klaren Namen vergeben (iphone-name, laptop-arbeit). PiVPN erzeugt eine .conf-Datei und speichert sie unter ~/configs/.

Um diese Datei auf ein Handy zu übertragen, ist ein QR-Code der schnellste Weg:

pivpn -qr

Das gewünschte Profil auswählen, ein QR-Code erscheint direkt im Terminal. Die WireGuard-App öffnen (im App Store und Play Store verfügbar), auf “+” tippen, dann “QR-Code scannen”, und den Bildschirm des Terminals scannen, oder einen Screenshot davon, falls die Terminal-Sitzung entfernt läuft.

Für einen Computer die .conf-Datei per SCP übertragen und in den WireGuard-Desktop-Client importieren:

scp pi@pivpn.local:~/configs/laptop-arbeit.conf .

Diese Datei anschließend in die auf dem Computer installierte WireGuard-App importieren (Windows, macOS, Linux).

Standardmäßig richtet PiVPN einen vollständigen Tunnel ein: Nach dem Verbinden läuft der gesamte Datenverkehr eines Geräts, auch das normale Surfen, über die Heimverbindung zurück. Das ist das gewünschte Verhalten, um eine unsichere öffentliche WLAN-Verbindung zu verschlüsseln, verbraucht aber bei jeder Nutzung die Upload-Bandbreite des Routers. Um nur den Verkehr zum Heimnetz zu routen und den Rest lokal austreten zu lassen, die Zeile AllowedIPs in der .conf-Datei des Clients bearbeiten: 0.0.0.0/0 durch nur das lokale Subnetz ersetzen, zum Beispiel 192.168.1.0/24.

Schritt 8: wirklich prüfen, ob es funktioniert

Diesen Schritt nicht überspringen. WLAN am Handy ausschalten, auf Mobilfunk umschalten, um wirklich außerhalb des lokalen Netzes zu sein, das WireGuard-Profil aktivieren, dann:

  1. Prüfen, ob sich ein interner Dienst erreichen lässt, zum Beispiel die Weboberfläche des NAS oder von Home Assistant, über dessen lokale IP.
  2. Einen IP-Leck-Test vom Gerät aus durchführen, das mit dem Tunnel verbunden ist: Die angezeigte IP sollte die des Heimrouters sein, nicht die des Mobilfunkanbieters.
  3. Latenz und Durchsatz mit einem kurzen Geschwindigkeitstest bei aktivem Tunnel prüfen, um später bei gemeldeter Langsamkeit einen Vergleichswert zu haben.

Schlägt die Verbindung fehl, hier die häufigsten Ursachen und wie man sie prüft.

SymptomWahrscheinliche UrsachePrüfung
Client verbindet sich gar nichtPort am Router nicht offennc -zvu <öffentliche-IP> 51820 aus einem externen Netz
Funktioniert im lokalen WLAN, scheitert mobilPortweiterleitung falsch konfiguriert oder doppeltes NATSchritt 6 erneut prüfen, vorgeschalteten Router suchen
Hat funktioniert, dann über Nacht ausgefallenÖffentliche IP geändert, DDNS nicht aktuellnslookup ihrname.duckdns.org sollte die aktuelle öffentliche IP liefern
Verbindung steht, aber kein Dienst erreichbarFirewall des Pi oder IP-Weiterleitung deaktiviertsudo ufw status (Port muss erlaubt sein), sysctl net.ipv4.ip_forward sollte 1 liefern
Durchsatz deutlich unter der gewohnten VerbindungSchwaches Pi-Modell (Zero, Pi 3) oder WLAN am PiAuf Ethernet umsteigen, oder siehe Hardware-Abschnitt oben
Profil funktioniert auf einem Gerät, aber nicht auf einem anderenBeschädigte oder falsch übertragene KonfigurationsdateiNeues Profil mit pivpn -a erzeugen

Den Server absichern: was nicht fehlen sollte

Ein Server, der übers Internet erreichbar ist, auch nur über einen einzelnen UDP-Port, verdient ein paar grundlegende Sicherheitsmaßnahmen, die in Minuten erledigt sind.

Passwort-Authentifizierung bei SSH deaktivieren. Falls das nicht schon in Schritt 1 geschehen ist, ein Schlüsselpaar auf dem Computer erzeugen (ssh-keygen -t ed25519), den öffentlichen Schlüssel auf den Pi kopieren (ssh-copy-id pi@pivpn.local), dann PasswordAuthentication in /etc/ssh/sshd_config auf no setzen. SSH-Dienst neu starten (sudo systemctl restart ssh). Ohne diesen Schritt bleibt der Pi anfällig für automatisierte Brute-Force-Versuche auf SSH, falls dieser Port jemals von außen erreichbar ist.

Fail2ban installieren, das IP-Adressen automatisch sperrt, die zu viele fehlgeschlagene Anmeldeversuche anhäufen:

sudo apt install fail2ban -y
sudo systemctl enable --now fail2ban

Die Standardkonfiguration schützt SSH bereits wirksam, ohne weitere Einstellungen.

Den Standard-SSH-Port ändern. Port 22 ist der erste, den automatisierte Bots scannen. Ein Wechsel auf einen zufälligen Port über 2000 in /etc/ssh/sshd_config senkt das Rauschen automatisierter Versuche deutlich, ersetzt aber keine solide schlüsselbasierte Authentifizierung.

Das System automatisch aktuell halten. PiVPN aktiviert unattended-upgrades standardmäßig während der Installation. Prüfen, ob das aktiv ist:

sudo systemctl status unattended-upgrades

Und schließlich die WireGuard-Profile auf das Nötigste begrenzen. Jedes Gerät sollte ein eigenes Profil haben, nie eine gemeinsam genutzte .conf-Datei zwischen mehreren Personen oder Geräten. Bei Zweifeln zu einem verlorenen oder verliehenen Gerät das betreffende Profil widerrufen, statt es aus Gewohnheit weiter zu nutzen.

Die Konfiguration sichern, bevor etwas ausfällt

Eine SD-Karte gibt früher oder später den Geist auf, das liegt am Medium selbst, nicht an schlechter Qualität. Die Konfigurationsdateien zu sichern dauert zwei Minuten und macht aus einem Kartenausfall eine schnelle Wiederherstellung statt eines kompletten Neuaufbaus.

sudo tar -czvf ~/backup-wireguard-$(date +%F).tar.gz /etc/wireguard ~/configs
scp pi@pivpn.local:~/backup-wireguard-*.tar.gz .

Dieses Archiv enthält die Server-Schlüssel und alle Client-Profile. An einem Ort außerhalb des Pi aufbewahren (Computer, eigene Cloud, externe Festplatte), und den Vorgang nach jedem Hinzufügen oder Widerrufen eines Profils wiederholen.

Zur Wiederherstellung auf einer neuen SD-Karte nach einem Ausfall: Raspberry Pi OS und PiVPN wie in Schritt 1 und 4 neu installieren, dann den Inhalt des erzeugten Ordners /etc/wireguard durch das Sicherungsarchiv ersetzen, bevor der WireGuard-Dienst neu gestartet wird.

Pi-hole hinzufügen (optional, aber empfehlenswert)

Sobald der WireGuard-Server läuft, dauert das Hinzufügen von Pi-hole rund zehn Minuten und macht aus dem Tunnel ein VPN mit integriertem Werbe- und Tracker-Blocker für jedes verbundene Gerät, egal wo auf der Welt.

curl -sSL https://install.pi-hole.net | bash

Dem Assistenten folgen: Netzwerkschnittstelle wählen, vorgelagertes DNS wählen (Cloudflare oder Quad9 eignen sich gut). Nach der Installation zurück in die WireGuard-Konfiguration und das an Clients verteilte DNS durch die lokale IP des Pi selbst ersetzen:

pivpn -d

Das DNS der Clients auf Pi-hole zeigen lassen. Bestehende Profile bei Bedarf neu erzeugen, und von einem mit dem Tunnel verbundenen Gerät aus prüfen, ob das Pi-hole-Dashboard (unter http://<lokale-IP-des-Pi>/admin) beginnt, blockierte Anfragen zu zählen.

Wartung: was danach an laufenden Kosten anfällt

Updates: sudo apt update && sudo apt full-upgrade -y einmal im Monat reicht, da PiVPN automatische Sicherheitsupdates standardmäßig aktiviert.

Ein verlorenes Gerät widerrufen: pivpn -r, dann das zu widerrufende Profil wählen, ein einziger Befehl, den es sich lohnt einmal wirklich auszuprobieren, statt ihn erst unter Zeitdruck zu suchen, wenn ein Handy verschwunden ist.

Aktive Verbindungen prüfen: pivpn -c zeigt die Profile und das Datum ihres letzten Handshakes, nützlich, um ein Gerät zu finden, das angeblich widerrufen wurde, aber noch aktiv ist.

DDNS im Blick behalten: Das ist die stille Komponente, von der alles abhängt; hören Fernverbindungen über Nacht ohne andere Änderung auf zu funktionieren, ist das der erste Verdächtige.

Speicherplatz und Zustand der SD-Karte prüfen: gelegentlich df -h, und ein Blick in die Systemprotokolle (journalctl -p err), um frühe Lese- oder Schreibfehler zu erkennen.

Realistischer Aufwand nach dem Aufbau: ein bis zwei Stunden im Jahr, größtenteils durch die oben genannten Prüfungen abgedeckt.

Häufige Fragen

Lässt sich dieser Server zusammen mit einem kommerziellen VPN-Abo nutzen? Ja, und das ist sogar die vollständigste Lösung: der eigene Server für den Weg nach Hause, ein Abo wie NordVPN für alles, was einen echten Standortwechsel oder Anonymisierung braucht. Beide Clients laufen auf unterschiedlichen Geräten oder zu unterschiedlichen Zeiten ohne Konflikt.

Schließt CGNAT bei meinem Anbieter diesen Aufbau endgültig aus? Nicht zwangsläufig. Manche Anbieter geben auf Anfrage beim Support kostenlos eine dedizierte öffentliche IP heraus, ähnlich der Logik aus unserem Ratgeber zu dedizierten IPs. Andernfalls hilft ein Reverse-Tunnel-Dienst wie Tailscale oder ZeroTier weiter, allerdings um den Preis einer Abhängigkeit von einem Drittanbieter statt eines vollständig selbst gehosteten Aufbaus.

Wie viele Geräte lassen sich gleichzeitig verbinden? Ein Pi 4 oder 5 verkraftet für den typischen Haushaltsgebrauch problemlos ein Dutzend gleichzeitige WireGuard-Verbindungen. Die Grenze setzt eher die Upload-Bandbreite des Routers als die CPU des Pi.

Was passiert, wenn der Pi ausfällt, während ich unterwegs bin? Der Tunnel funktioniert dann einfach nicht mehr; kein anderes Gerät im Heimnetz ist betroffen, da der Pi nur den VPN-Verkehr routet und nicht im Pfad des übrigen lokalen Netzes liegt. Ein weiterer Grund, eine aktuelle Sicherung bereitzuhalten, damit ein Hardwareausfall eine schnelle Wiederherstellung bedeutet statt eines Neuaufbaus von Grund auf.

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Unser Urteil

Ein persönlicher WireGuard-Server auf dem Raspberry Pi ersetzt ein kommerzielles VPN für genau eine Aufgabe, den sicheren Weg nach Hause, und das erledigt er gut, kostenlos und dauerhaft. Ein Projekt für Anonymität oder Standortwechsel ist das nicht, dafür bleibt ein reguläres Abo die bessere Wahl. Der Aufbau dauert einen Abend und danach etwa eine Stunde Pflege im Jahr. Eine gute Wahl für alle, die bereits ein NAS oder eine Home Assistant betreiben, die es zu schützen lohnt, und ein Projekt zum Überspringen für alle, die nur ausländisches Streaming entsperren wollen.

Diese Anleitung deckt den kompletten Aufbau des persönlichen WireGuard-Servers ab, von der Installation über die Absicherung bis zur Wartung. Wie sich dieses Projekt zu den beiden anderen VPN-Einsätzen eines Raspberry Pi verhält, dem Netzwerk-Gateway und der Kombination aus Pi-hole und kommerziellem VPN, zeigt der Überblick zu VPN auf dem Raspberry Pi.