Der Preis, der zur Anmeldung verleitet hat, ist nicht der Preis, den man nächstes Jahr zahlt. Das ist kein Skandal, sondern die Art, wie die gesamte Branche ihr Produkt bepreist, aber wie groß der Sprung ausfällt, überrascht die meisten Abonnenten erst bei der Rechnung.
Wie groß der Sprung tatsächlich ist
Der Verlängerungspreis unterscheidet sich je nach Anbieter, Laufzeit und der konkreten Aktion, unter der man ursprünglich abgeschlossen hat, weshalb sich schwer eine einzelne universelle Zahl nennen lässt. Das Muster bleibt aber konstant: Einstiegspreise auf 1- und 2-Jahres-Pläne sind auf Kundengewinnung ausgelegt, der Verlängerungspreis auf das Halten des Umsatzes bei denen, die nicht mehr vergleichen.
Berichtete Fälle 2026 zeigen 2-Jahres-Pläne, die sich zum Mehrfachen des ursprünglichen Monatspreises verlängern, und Jahrespläne, die in manchen Fällen um 50 bis 65 % im Jahresvergleich springen. Der Sprung fällt tendenziell dort am stärksten aus, wo der Einstiegsrabatt am tiefsten war: Ein Plan, der bei der Anmeldung unschlagbar wirkte, bringt oft den größten Schock bei der Verlängerung, weil der Einstiegspreis am weitesten unter den tatsächlichen Zielumsatz des Anbieters pro Kunde gedrückt war.
Warum das branchenweit so läuft
VPN-Anbieter konkurrieren vor allem über die Zahl, die ein Neukunde auf einer Vergleichsseite wie dieser sieht. Diese Zahl muss möglichst niedrig sein, um den Klick zu gewinnen. Was 12 oder 24 Monate später passiert, wenn der Kunde nicht mehr aktiv vergleicht, zählt für denselben Wettbewerbsdruck viel weniger. Automatische Verlängerung als Standard (statt aktiver Zustimmung) bedeutet, dass der Anbieter keine fortlaufende aktive Zustimmung braucht, um weiter abzurechnen, nur die Untätigkeit des Kunden.
Das ist nicht VPN-spezifisch (Streaming-Dienste, Fitnessstudio-Mitgliedschaften, Software-Abos nutzen alle Varianten desselben Mechanismus), aber VPN-Preisseiten stellen den Einstiegspreis meist deutlich sichtbarer heraus als den Verlängerungspreis, der meist nur im Kleingedruckten beim Checkout oder in den AGB steht.
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Die zwei Anbieter, die das nicht machen
Mullvad und Windscribe sind die bekannten Ausnahmen in unserer Vergleichsdatenbank. Beide berechnen unabhängig von der Abo-Dauer denselben festen Preis, ganz ohne Rabatt-dann-Erhöhung-Struktur. Gerade Mullvad hat die gesamte Marke darauf aufgebaut, genau diese Art von Preistrick abzulehnen: Was ein brandneuer Abonnent zahlt und was ein Fünfjahres-Abonnent zahlt, ist identisch.
Der Kompromiss: Mullvads fester Preis ist bei der ersten Preisvergleichung nicht die niedrigste Zahl auf der Seite, weil er nicht mit einem künstlich niedrigen Schlagzeilenpreis konkurriert wie Rabatt-dann-Erhöhung-Anbieter. Über mehrere Jahre kann ein Festpreis-Anbieter aber insgesamt günstiger ausfallen als ein Rabattanbieter, dessen Verlängerungspreis man zu verwalten vergisst.
Wie man das tatsächlich verhindert
Kalendererinnerung schon bei der Anmeldung setzen, nicht danach. Der Hauptgrund für Verlängerungsschocks ist, dass niemand das Konto aktiv beobachtet, bis die höhere Abbuchung schon durch ist. Erinnerung 2 bis 3 Wochen vor dem Verlängerungsdatum setzen, und zwar in dem Moment, in dem man sich anmeldet, nicht später.
Vor der Verlängerung kündigen, dann als “neuer” Kunde neu abschließen. Weil Aktionspreise zur Kundengewinnung existieren, führt Kündigen und Neuanmelden (manchmal mit anderer E-Mail-Adresse, je nach Anbieterbedingungen) oft zurück zu etwas nahe am ursprünglichen Einstiegspreis statt zum Verlängerungspreis. Die genaue Richtlinie des Anbieters dazu prüfen, manche schränken das ein.
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Vor der Kündigung direkt beim Support nachfragen. Bindungsrabatte gibt es genau deshalb, weil Anbieter lieber einen niedrigeren Verlängerungspreis anbieten, als den Kunden ganz zu verlieren. Es kostet nichts, im Live-Chat nach dem aktuellen Aktionspreis zu fragen und ob er auf die Verlängerung angewendet werden kann.
Die Bedingungen vor dem Kauf lesen, nicht nach der Abbuchung. Der Verlängerungspreis wird meist offengelegt, nur nicht auffällig. Die zwei Minuten Prüfung lohnen sich, bevor ein besonders tiefer Rabattplan zu einer längeren Bindung verlockt, als man sonst gewählt hätte.
Wann daraus eine rechtliche Frage wird, nicht nur ein Ärgernis
Automatische Verlängerung zu einem höheren Preis ist Standardpraxis und für sich genommen nicht unzulässig. Zum rechtlichen Problem wird es, wenn ein Anbieter die Bedingungen bei der Anmeldung nicht klar offenlegt oder die Kündigung vor der Abbuchung unangemessen schwer macht. Mindestens ein großer Anbieter sah sich 2026 genau auf dieser Grundlage mit Klagen konfrontiert, mit Vorwürfen mangelnder Transparenz und Kündigungshürden statt der Existenz von Verlängerungspreisen an sich.
Diese Unterscheidung ist wichtig für die eigene Reaktion als Verbraucher: Eine klar angekündigte Preiserhöhung ist eine Geschäftspraxis, die man akzeptieren oder meiden kann. Eine Abbuchung, vor der man nicht angemessen gewarnt wurde oder die man nicht rechtzeitig hätte kündigen können, ist ein anderes, ernsteres Problem.
Fast jeder VPN außer Mullvad und Windscribe setzt seine Einstiegspläne deutlich unter das, was tatsächlich bei der Verlängerung berechnet wird, manchmal um ein Vielfaches. Das ist nicht per se unehrlich, bedeutet aber, dass der Preis auf jeder Vergleichstabelle (auch unserer) nur die Geschichte des ersten Jahres erzählt. Eine Verlängerungserinnerung schon am Anmeldetag setzen und das Verlängerungsdatum als zweite Kaufentscheidung behandeln, nicht als automatischen Vorgang.
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