Die meisten VPNs bauen mittlerweile einen Werbe- und Malware-Blocker auf Netzwerkebene ein, verkauft unter Namen wie Threat Protection, CleanWeb oder NetShield. In der Feature-Liste klingt das ähnlich, aber die Tools leisten nicht alle dasselbe, und ein grosser Anbieter in unserer Tabelle erreicht bei diesem konkreten Kriterium glatt null. Hier ist, was jede Funktion wirklich blockiert, und was nicht.

Was der eingebaute Blocker eines VPNs wirklich tut

Diese Funktionen arbeiten auf DNS-Ebene: Versucht dein Gerät, eine Domain aufzulösen, die für Werbung, Tracker oder Malware bekannt ist, verweigert der DNS-Server des VPN die Auflösung, die Anfrage kommt also nie an. Das unterscheidet sich von einer Browser-Erweiterung, die Inhalte erst nach dem Laden der Seite prüft und blockiert. Ein Blocker auf DNS-Ebene funktioniert über alle Apps deines Geräts hinweg, nicht nur im Browser, weshalb VPN-Anbieter das als Upgrade gegenüber einer reinen Werbeblocker-Erweiterung bewerben.

Was er nicht tut: einen Virenscanner ersetzen. Eine DNS-Sperrliste verhindert, dass eine bekannt bösartige Domain lädt, sie tut nichts, sobald Malware bereits auf dem Gerät ist, und sie hält dich nicht davon ab, manuell eine infizierte Datei herunterzuladen und zu öffnen. Betrachte es als Filter dafür, wohin dein Traffic überhaupt gehen darf, nicht als Scanner für das, was schon auf deinem Rechner liegt.

Werbe- und Malware-Blockierung im Vergleich

VPNWert Werbe-/Malware-BlockierungName der Funktion
NordVPN5/5Threat Protection Pro
Surfshark5/5CleanWeb
ProtonVPN5/5NetShield
Private Internet Access5/5MACE
Mullvad5/5DNS-Inhaltsblocker
CyberGhost5/5Eingebauter Werbe-/Tracker-Blocker
Windscribe5/5R.O.B.E.R.T.
ExpressVPN0/5Keine eingebaute Funktion in der Haupt-App

NordVPN: Threat Protection Pro

NordVPNs Version geht über eine simple Sperrliste hinaus. Threat Protection Pro scannt heruntergeladene Dateien in Echtzeit auf Malware, blockiert bekannte bösartige und Phishing-Domains und entfernt Werbetracker, alles bevor du dich überhaupt mit einer Seite verbindest. Die Funktion läuft unabhängig davon, ob der VPN-Tunnel aktiv ist, was ungewöhnlich ist: Die meisten konkurrierenden Blocker funktionieren nur bei bestehender Verbindung. Zusammen mit einem Tempo-Wert von 5/5 ist das hier das vollständigste Paket im Vergleich.

Surfshark CleanWeb und Proton NetShield

Surfsharks CleanWeb und Protons NetShield funktionieren beide nach demselben Grundprinzip: DNS-basierte Blockierung von Werbung, Trackern und bekannten bösartigen Domains, kostenlos in jedem Tarif enthalten. Keines der beiden scannt heruntergeladene Dateien wie bei NordVPN, aber beide sind zuverlässig bei der Kernaufgabe, Werbe- und Tracker-Anfragen vor dem Laden zu stoppen. Protons NetShield zeigt zusätzlich sichtbar an, wie viele Tracker in einer Sitzung blockiert wurden, ein kleiner Transparenz-Bonus, der zu Protons datenschutzorientierter Positionierung passt.

PIA MACE und Windscribe R.O.B.E.R.T.

PIAs MACE und Windscribes R.O.B.E.R.T. verfolgen einen anpassbareren Ansatz. Beide erlauben, einzelne Sperrlisten-Kategorien wie Werbung, Tracker, Malware-Domains oder Social-Media-Widgets einzeln ein- oder auszuschalten, statt eine einzige feste Liste anzuwenden. R.O.B.E.R.T. hat bei Windscribe-Nutzern besonders treue Fans, weil die Kontrolle so feingranular ist, bis hin zur Blockierung einzelner Werbenetzwerke namentlich.

Alle VPNs im direkten Vergleich? Unser vollständiger VPN-Vergleich zeigt Bewertungen nach 18 Kriterien.

Mullvad und CyberGhost: eingebaut, weniger beworben

Mullvad hat DNS-basierte Inhaltsblocker direkt in den App-Einstellungen, sie decken Werbung, Tracker und Malware-Domains ab, ohne das als Hauptfeature zu vermarkten wie die Konkurrenz. Es ist einfach da, passend zu Mullvads minimalistischem Ansatz bei allem anderen. CyberGhost bündelt einen vergleichbaren Werbe- und Tracker-Blocker in allen Tarifen, ebenfalls 5/5 in unseren Daten wie der Rest des Felds.

ExpressVPN: der Ausreisser

ExpressVPN ist der einzige grosse Anbieter in diesem Vergleich, der bei der eingebauten Werbe- und Malware-Blockierung 0/5 erreicht. Die Haupt-VPN-App bietet keine DNS-Sperrliste auf Netzwerkebene wie NordVPN, Surfshark oder Proton. ExpressVPN hat neuere Funktionen stattdessen eher in Richtung seiner Aware-Sicherheitsbenachrichtigungen und browserbasierten Produkte geschoben, aber Stand unserer letzten Tests gibt es kein Äquivalent zu Threat Protection Pro oder CleanWeb in der Haupt-App. Wenn ein eingebauter DNS-Werbe- und Malware-Blocker dir speziell wichtig ist, solltest du das gegen ExpressVPNs Stärken bei Tempo und Streaming abwägen.

Braucht man trotzdem noch separate Antiviren-Software?

Ja. Jede Funktion in dieser Liste arbeitet auf Netzwerkebene und blockiert bekannt bösartige Domains, bevor sich dein Gerät damit verbindet. Keine davon scannt Dateien, die schon auf deinem Computer liegen, erkennt Ransomware-Verhalten, oder fängt einen bösartigen Anhang ab, den du manuell öffnest. Die Trennung erklären wir ausführlicher in unserem Leitfaden VPN vs Antivirus, aber kurz gesagt: Der Blocker eines VPN und ein echtes Antivirenprogramm lösen unterschiedliche Probleme, keines ersetzt das andere.

Was bei einem Anbieterwechsel zu beachten ist

Wechselst du wegen dieser Funktion allein den Anbieter, prüfe, ob der Blocker standardmässig aktiv ist oder manuell eingeschaltet werden muss, da das bei einem ersten Test schnell zu einem falschen Eindruck führt. Prüfe auch, ob die Funktion auf allen Plattformen gleich funktioniert; manche Anbieter liefern das volle Feature-Set nur für Desktop-Apps aus und beschränken mobile Versionen auf eine abgespeckte Variante.

So aktivierst du den Bedrohungsschutz

Die Einstellung ist meist ein einzelner Schalter, in den Sicherheits- oder Datenschutz-Einstellungen jeder App, getrennt vom Hauptverbindungsknopf. Die meisten Anbieter erlauben, das unabhängig von der eigentlichen VPN-Verbindung zu aktivieren, es lohnt sich also zu prüfen, ob es bei dir standardmässig an ist oder manuell nach der Installation aktiviert werden muss.

Vergleich mit einem Browser-Werbeblocker

Nutzt du bereits uBlock Origin oder eine ähnliche Browser-Erweiterung, kann der eingebaute Blocker eines VPN redundant wirken, aber beide arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen und ergänzen sich tatsächlich. Eine Browser-Erweiterung prüft und blockiert Inhalte, nachdem sie in diesem bestimmten Browser geladen wurden. Der DNS-Blocker eines VPN stoppt die Anfrage, bevor sie dein Gerät überhaupt verlässt, und deckt jede App auf diesem Gerät ab, nicht nur den gerade geöffneten Browser. Beide gleichzeitig laufen zu lassen ist nicht überflüssig, sondern eher gestaffelte Verteidigung, da eine Domain, die eine Schicht durchdringt, oft noch von der anderen erwischt wird.

Echte Zahlen: Was diese Blocker wirklich abfangen

Anbieter veröffentlichen selten genaue Daten dazu, wie viel ihre Blocker tatsächlich stoppen, was die wenigen, die es tun, besonders interessant macht. NordVPN zeigt Nutzern inzwischen direkt in der App genau diese Details, was Threat Protection und Scam Protection in einem bestimmten Zeitraum blockiert haben, statt die Funktion als unsichtbaren Hintergrundprozess zu belassen; die Details behandeln wir in unserem Blick auf NordVPNs Statistiken zum Betrugsschutz. Diese Art von Transparenz ist an sich schon ein nützliches Signal: Ein Anbieter, der bereit ist, dir die Zahlen zu zeigen, ist meist auch einer, der der Funktion unter genauerer Prüfung vertraut.

Fehlalarme und Whitelisting

Aggressive Sperrlisten brechen gelegentlich legitime Seiten, besonders kleinere, die sich Infrastruktur mit Werbenetzwerken teilen oder Tracking-Skripte für an sich harmlose Analysen nutzen. Lädt eine Seite nach Aktivierung des Bedrohungsschutzes plötzlich nicht mehr richtig, ist das meist der erste Check. Jeder hier behandelte Anbieter erlaubt, bestimmte Domains auf eine Whitelist zu setzen, oder in den meisten Apps den Blocker für eine einzelne Browsing-Sitzung vorübergehend zu deaktivieren, ohne das VPN selbst abzuschalten.

Unser Fazit

NordVPNs Threat Protection Pro bleibt die vollständigste eingebaute Option, mit Echtzeit-Dateiscan zusätzlich zur üblichen Werbe- und Tracker-Blockierung. Surfsharks CleanWeb und Protons NetShield decken das Wesentliche ohne Aufpreis gut ab. ExpressVPN bleibt die klare Lücke in diesem Vergleich, 0/5 ohne Äquivalent in der Haupt-App. Egal welches VPN du nutzt, lass ein echtes Antivirenprogramm parallel laufen; eine DNS-Sperrliste ist ein nützlicher Filter, kein Ersatz.

Weiterlesen: Bestes geprüftes No-Logs-VPN 2026 und Ist ein VPN sicher fürs Online-Banking 2026?.