Am 21. Januar 2026 stimmte das britische Oberhaus mit 207 zu 159 dafür, VPN-Dienste für alle unter 18 zu verbieten. Der Zusatz, Amendment 92 des Online Safety Act 2023, ging mit parteiübergreifender Unterstützung durch und ist einer der direktesten Angriffe auf VPN-Technologie durch eine westliche Demokratie. Sechs Monate später ging das UK weiter: Am 15. Juni 2026 kündigte die Regierung förmlich ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige an, das Plattformen wie Instagram, TikTok, YouTube und X zur Altersprüfung verpflichtet. Beide Maßnahmen sind eng verbunden: Das VPN-Verbot wird als Mechanismus positioniert, der Minderjährige am Umgehen der Social-Media-Beschränkungen hindert.

Worüber die Lords tatsächlich abstimmten

Amendment 92 verpflichtet ISPs, technische Maßnahmen zu ergreifen, um VPN-Verbindungen von Unter-18-Jährigen zu erkennen und zu blockieren. In der Praxis ist das eine erhebliche Herausforderung. Der Zusatz sagt nicht, wie Anbieter feststellen sollen, welcher Nutzer ein VPN verwendet oder wie alt dieser ist. Digitalrechtsgruppen wiesen sofort darauf hin. Die Open Rights Group nannte die Maßnahme “technisch nicht durchsetzbar ohne Massenüberwachungsinfrastruktur”. Die Electronic Frontier Foundation merkte an, dass das Blockieren von VPN-Verkehr auf ISP-Ebene Deep Packet Inspection erfordert, eine Technik, die autoritäre Regierungen zur Kontrolle des Internetzugangs nutzen. Trotz dieser Einwände ging die Abstimmung mit 48 Stimmen Vorsprung durch.

Der Social-Media-Kontext

Die Abstimmung geschah nicht im luftleeren Raum. Seit Ofcom den Online Safety Act im Juli 2025 um neue Altersverifikationsanforderungen erweiterte, hat sich die VPN-Nutzung im UK etwa verdoppelt. Ofcom meldete rund 1,5 Millionen täglich aktive VPN-App-Nutzer, vorher etwa 750.000. Dieser Anstieg alarmierte die Regulierer. Die UK Children’s Commissioner nannte VPNs öffentlich “eine Lücke, die geschlossen werden muss”. Unter den neuen Social-Media-Regeln müssen Plattformen Altersverifikation (Passscans, Gesichtserkennung oder Kreditkartenprüfung) einsetzen, bevor Nutzer Konten anlegen. Die Regeln sollen im Frühjahr 2027 in Kraft treten.

Wie das VPN-Nutzer betrifft

Für erwachsene VPN-Nutzer im UK ist die unmittelbare Auswirkung begrenzt. Der Zusatz zielt speziell auf Unter-18-Jährige, und die meisten großen Anbieter sind außerhalb britischer Jurisdiktion eingetragen. NordVPN (Panama), ProtonVPN (Schweiz) und Mullvad (Schweden) unterliegen britischen Durchsetzungsanordnungen nicht ohne Weiteres. Das längerfristige Risiko ist der Präzedenzfall. Setzt das UK VPN-Beschränkungen für Minderjährige erfolgreich durch, normalisiert das Deep Packet Inspection als Regulierungswerkzeug. Es gibt auch eine praktische Sorge für Teenager, die VPNs aus legitimen Datenschutzgründen nutzen: Schutz vor Schulnetzen, vor datensammelnden Apps oder Zugang zu Nachrichten aus einem autoritären Familienkontext. Ein pauschales Altersverbot unterscheidet nicht zwischen diesen Nutzungen und dem Umgehen von Inhaltssperren.

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Wie die Anbieter reagieren

ProtonVPN-CEO Andy Yen zählte zu den lautesten Kritikern. In einem Blogbeitrag argumentierte er, “Verifikationsgesetze verwandeln VPNs von Datenschutz-Werkzeugen in Haftungsrisiken”, und nannte das UK-Gesetz eine “Gefahr für den politischen Diskurs”. Mullvad, das anonyme Kontoerstellung und Barzahlung akzeptiert, erklärte, es werde unabhängig von UK-Gesetzen unter seinem bestehenden Datenschutzmodell weiterarbeiten, da es keine altersverifizierbaren Daten sammle. NordVPN verwies auf seine No-Logs-Infrastruktur, die selbst unter gerichtlicher Anordnung nichts Nützliches herausgeben könne.

Was als Nächstes kommt

Der Zusatz braucht noch Durchführungsverordnungen, bevor er durchgesetzt werden kann. Ein Datum dafür steht nicht fest. Angesichts der technischen Komplexität und erwarteter Klagen erscheint eine Durchsetzung 2026 unwahrscheinlich. Das Social-Media-Verbot ist weiter fortgeschritten, mit dem Ziel Frühjahr 2027. Beide Maßnahmen werden juristisch angefochten: Liberty UK will Amendment 92 gerichtlich überprüfen lassen, weil es mit Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Recht auf Privatsphäre) unvereinbar sei. Vorerst bleiben VPN-Dienste im UK für alle Altersgruppen vollständig legal und zugänglich.

Unsere Einschätzung

Das UK-VPN-Verbot für Minderjährige ist politisch bedeutsam, aber praktisch schwer durchzusetzen ohne Überwachungsinfrastruktur, die selbst Befürworter alarmieren würde. Das eigentliche Risiko ist der Präzedenzfall: Jede verabschiedete Maßnahme macht die nächste leichter zu rechtfertigen. Erwachsene Nutzer im UK sollten die Entwicklung beobachten, haben aber keinen dringenden Grund, heute etwas an ihrer VPN-Nutzung zu ändern.

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