ProtonVPN und Private Internet Access werden aus fast entgegengesetzten Gründen empfohlen. ProtonVPN ist der Schweizer Datenschutz-Spezialist, gebaut vom Team hinter Proton Mail. PIA ist die günstige amerikanische Option mit einer Serveranzahl, die fast alle anderen in den Schatten stellt. Im direkten Vergleich zeigt sich genau, wo jeder seinen Ruf verdient, und wo nicht.
Das schnelle Urteil
ProtonVPN gewinnt bei der Gesamtwertung (4,24/5 gegenüber 3,64/5), vor allem dank Jurisdiktion, der von KPMG auditierten No-Logs-Politik und transparenter Eigentümerstruktur. PIA kontert mit einem Netz aus fast 29.000 Servern in 77 Ländern, einem niedrigeren Langzeitpreis und einer Verschlüsselung, die sich selbst anpassen lässt.
Wenn Jurisdiktion und unabhängige Verifizierung für dich am wichtigsten sind, ist ProtonVPN die stärkere Wahl. Wer das größte Servernetz am Markt zum niedrigsten Preis will, fährt mit PIA durchaus gut, solange man einem Gerichtsprotokoll genauso vertraut wie einem Auditbericht.
Direktvergleich
| Kriterium | ProtonVPN | PIA |
|---|---|---|
| Gesamtwertung | 4,24/5 | 3,64/5 |
| Jurisdiktion | Schweiz (5/5) | USA, Five Eyes (3/5) |
| No-Logs-Verifizierung | KPMG-Audit (5/5) | Vor Gericht bewiesen, kein unabhängiges Audit (4/5) |
| Geschwindigkeit | 5/5 | 4/5 |
| Verschlüsselung | AES-256 (4/5) | AES-128 standardmäßig, AES-256 optional (2/5) |
| Leak-Schutz | 5/5 | 5/5 |
| Eigene Server | 2.950 Server, 65 Länder | 28.936 Server, 77 Länder |
| Transparenz Eigentümerschaft | 4/5 | 1/5 (Kape Technologies) |
| Streaming | 4/5 | 3,5/5 |
| Monatspreis | 9,99 $ | 11,95 $ |
| 1-Jahres-Plan (effektiv) | ~4,99 $/Monat | ~3,33 $/Monat |
| Gesamtpreis 2 Jahre | 71,76 $ | 79,00 $ |
| Geld-zurück-Garantie | 30 Tage | 30 Tage |
Jurisdiktion: die Schweiz liegt vorn
Hier unterscheiden sich die beiden VPNs am stärksten. ProtonVPN sitzt in der Schweiz, außerhalb jeder Überwachungsallianz und geschützt durch eines der strengsten Datenschutzgesetze Europas. Das bringt volle 5/5 bei der Jurisdiktion.
PIA ist in den USA registriert, Mitglied der Five-Eyes-Allianz, mit einem Rechtssystem, das Unternehmen per Vorladung oder Anfragen zur nationalen Sicherheit zur Herausgabe von Daten zwingen kann. Das ergibt 3/5. Für die meisten Alltagsnutzer bleibt diese Lücke theoretisch. Für Journalisten, Aktivisten oder alle, deren Bedrohungsmodell staatliche Anfragen einschließt, ist das der Hauptgrund, eher zu ProtonVPN zu greifen.
No-Logs-Behauptungen: Audit gegen Gerichtssaal
Die No-Logs-Politik von ProtonVPN wurde zuletzt von KPMG geprüft, einer der “Big Four” Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, was ein sauberes 5/5 bei unserem Audit-Kriterium ergibt. Unabhängige Audits gelten als Goldstandard, weil ein Dritter die Infrastruktur tatsächlich prüft, statt sich auf das Wort des Unternehmens zu verlassen.
PIA hat nie ein formelles unabhängiges No-Logs-Audit in Auftrag gegeben, was eine echte Lücke darstellt. Was der Anbieter stattdessen vorweisen kann, ist eine seltenere Art von Beweis: Bei mindestens zwei Gelegenheiten wurden US-Gerichte mit einer Vorladung an PIA im Rahmen von Strafermittlungen aktiv, und PIA hatte nichts vorzulegen, weil nichts protokolliert wurde. Das ist kein Auditbericht auf Papier, aber ein handfester Beweis unter juristischem Druck, weshalb wir hier weiterhin 4/5 vergeben. Eine ausführliche Einordnung, wie Audits und Gerichtsbeweise sich vergleichen, gibt es in unserem Leitfaden zum Verifizieren der No-Logs-Politik eines VPN.
Alle VPNs im direkten Vergleich? Unser vollständiger VPN-Vergleich zeigt Bewertungen nach 18 Kriterien.
Verschlüsselung: PIAs Standard ist schwächer, aber anpassbar
Das ist die klarste technische Schwäche von PIA. Standardmäßig nutzt PIA AES-128 statt AES-256, weshalb der Anbieter bei unserem Verschlüsselungskriterium nur 2/5 erreicht. AES-128 gilt nach keinem seriösen Maßstab als geknackt oder unsicher, ist aber eine geringere Sicherheitsmarge als das, was ProtonVPN und die meisten Konkurrenten standardmäßig liefern. PIA erlaubt eine manuelle Umstellung auf AES-256 in den App-Einstellungen, die Lösung ist also verfügbar, nur eben nicht voreingestellt.
ProtonVPN liefert durchgängig AES-256 als Standard und erreicht hier 4/5. Keiner der beiden VPNs nutzt ChaCha20 als Standard-Verschlüsselung, was mit ein Grund ist, warum beide bei diesem spezifischen Kriterium leicht hinter Anbietern wie NordVPN oder Surfshark liegen.
Servernetz: PIAs größter Vorteil
PIA betreibt fast 29.000 Server in 77 Ländern, eines der größten Netze am Markt überhaupt. ProtonVPN läuft mit einem schlankeren Netz von 2.950 Servern in 65 Ländern. In der Praxis bedeutet eine höhere Serveranzahl meist weniger Überlastung zu Stoßzeiten und eine feinere Auswahl an Standorten, beides liefert PIA zuverlässig.
ProtonVPN gleicht das mit seiner Gratis-Stufe aus, einzigartig unter den großen VPNs, und mit Secure Core, einer Funktion, die den Datenverkehr über gehärtete Server in datenschutzfreundlichen Ländern leitet, bevor er ins restliche Internet weitergeht. Die reine Serveranzahl ist nicht alles, aber für Nutzer, die ihren Traffic auf viele gleichzeitige Standorte verteilen, ist PIAs Netztiefe ein echter Vorteil.
Eigentümerschaft und Transparenz: eine deutliche Lücke
ProtonVPN wird von Proton Technologies AG betrieben und erreicht bei der Transparenz der Eigentümerschaft 4/5. PIA gehört Kape Technologies, demselben Mutterkonzern hinter ExpressVPN und CyberGhost, und bekommt hier nur 1/5, die gleiche niedrige Note wie jede Kape-Marke in unserer Tabelle. Kape verschleiert seine Eigentümerschaft nicht, aber die Vergangenheit im Adware-Geschäft vor dem Umstieg auf VPNs erklärt die niedrige Bewertung im gesamten Portfolio.
Streaming und Alltagsnutzung
Keiner der beiden ist primär ein Streaming-VPN. ProtonVPN erreicht 4/5, entsperrt Netflix zuverlässig, liefert aber bei Disney+, BBC iPlayer und Peacock inkonsistente Ergebnisse. PIA erreicht 3,5/5, mit ähnlich durchwachsenen Ergebnissen auf denselben Plattformen. Wer vor allem Streaming-Bibliotheken entsperren will, findet in unserem Leitfaden zum besten VPN für Netflix stärkere spezialisierte Optionen.
Preis: PIA gewinnt beim Langzeitplan
Der 1-Jahres-Plan von PIA liegt bei rund 3,33 $ im Monat, ein 2-Jahres-Plan kostet insgesamt 79 $. Der 1-Jahres-Plan von ProtonVPN liegt bei etwa 4,99 $ im Monat, mit 71,76 $ Gesamtkosten über 2 Jahre. Beide Anbieter bieten eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie, keiner der beiden hat eine kostenlose Testphase, auch wenn ProtonVPNs dauerhafte Gratis-Stufe faktisch als risikofreier Test dient.
Torrent und P2P
Beide VPNs eignen sich gut für Torrent, aus unterschiedlichen Gründen. PIA unterstützt Shadowsocks und bietet dedizierte IP-Adressen als Zusatzoption, beides hilfreich für Nutzer, die eine konstante, unblockierte Verbindung für P2P-Verkehr wollen, ohne ständig Anti-VPN-Maßnahmen von Torrent-Trackern auszulösen. Das riesige Servernetz bedeutet außerdem weniger Überlastung auf P2P-freundlichen Servern zu Spitzenzeiten.
ProtonVPN erlaubt P2P-Verkehr auf den meisten Servern und bietet Secure-Core-Routing als Option, was eine zusätzliche Datenschutzebene fürs Torrenten über gehärtete Server in datenschutzfreundlichen Jurisdiktionen hinzufügt, bevor der Traffic ins restliche Internet geht. Das kleinere Servernetz fällt hier weniger ins Gewicht als beim Streaming, da Torrenten nicht vom Entsperren regionaler Inhalte abhängt.
Keiner der beiden Anbieter veröffentlicht eine harte P2P-Bandbreitengrenze, und beide haben einen Kill Switch, was beim Torrenten mehr zählt als bei fast jedem anderen Anwendungsfall: Eine unterbrochene Verbindung mitten im Download legt die echte IP sofort gegenüber allen Peers im Schwarm offen.
Apps und Plattformabdeckung
ProtonVPN deckt Windows, macOS, Linux, iOS, Android und Smart-TV-Apps ab, hat aber keine eigene Chrome- oder Firefox-Erweiterung, was 3/5 bei unserem Verfügbarkeitskriterium ergibt. PIA deckt dieselben Kernplattformen ab, plus Chrome- und Firefox-Erweiterungen und zusätzliche Plattformunterstützung, was 4/5 einbringt.
Für Nutzer, die neben einem vollwertigen Desktop-Client einen leichten Browser-VPN für schnelle Aufgaben wollen, verschafft PIAs Erweiterungsunterstützung einen praktischen Vorteil. ProtonVPNs Apps gelten allgemein als aufgeräumter und einfacher zu bedienen, was zählt, wenn die Einrichtung für ein weniger technikaffines Familienmitglied gedacht ist.
ProtonVPN ist die bessere Wahl für alle, die Jurisdiktion und unabhängige Verifizierung stark gewichten. Der Schweizer Standort, das KPMG-Audit und die transparente Eigentümerstruktur verschaffen einen echten Vorteil für datenschutzorientierte Nutzer. PIA bleibt eine solide, günstige Option mit riesigem Servernetz, aber die US-Jurisdiktion, die schwächere Standardverschlüsselung und die Kape-Eigentümerschaft halten den Anbieter bei der Vertrauenswürdigkeit einen Schritt zurück. Wer sich rein nach den Datenschutz-Grundlagen entscheidet, greift zu ProtonVPN. Wer mehr Wert auf Preis pro Server und Konfigurierbarkeit legt, bekommt mit PIA immer noch eine vernünftige Wahl.
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