Mullvad und Surfshark tauchen selten im selben Satz auf, und genau darum geht es in diesem Vergleich. Das eine ist ein schwedisches Datenschutzprojekt, das bis heute keine E-Mail-Adresse verlangt. Das andere ist ein Mainstream-VPN mit einer durchdachten App, aggressivem Marketing und einem der besten Streaming-Werte in unserer Tabelle. Wir haben beide aus unserem vollständigen Vergleichsdatensatz gezogen, um zu sehen, wo jedes wirklich gewinnt.
Die Kurzfassung
Mullvad gewinnt bei Anonymität und Transparenz. Surfshark gewinnt bei fast allem anderen: Streaming, gleichbleibende Geschwindigkeit dank des größeren Netzwerks, Kundensupport und Preis auf lange Sicht. Keins von beiden ist ein schlechtes VPN. Sie sind einfach für unterschiedliche Nutzer gebaut.
Mullvad vs. Surfshark: die Zahlen
| Kriterium | Mullvad | Surfshark |
|---|---|---|
| Gesamtscore | 4,04 / 5 | 4,09 / 5 |
| Gerichtsbarkeit | Schweden (14 Eyes) | Niederlande (9 Eyes) |
| Auditiertes No-Logs | Ja, Cure53 | Ja, Cure53 (2. Audit, 2021) |
| Nur-RAM-Server | Vollständig umgestellt | Vollständig umgestellt |
| Eigene Server | 769 Server, 37 Länder | 3.200+ Server, 65 Länder |
| Streaming-Score | 2 / 5 | 4,5 / 5 |
| Werbeblocker | Ja | Ja (CleanWeb) |
| Anonyme Zahlung | Bar, Krypto, Karte | Krypto, Karte (kein Bargeld) |
| Preis | 5,50 $/Monat pauschal | 15,45 $/Monat, 59,76 $/Jahr |
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Gerichtsbarkeit: der überraschende Teil
Alle gehen davon aus, dass Mullvad die bessere Gerichtsbarkeit hat, weil der Ruf in Sachen Datenschutz stärker ist. Die tatsächlichen Daten zeichnen ein komplizierteres Bild. Mullvad sitzt in Schweden, Mitglied der 14-Eyes-Allianz für Geheimdienstaustausch. Surfshark sitzt in den Niederlanden, eingeordnet in die kleinere Nine-Eyes-Allianz. Kein Land steht vollständig außerhalb des westlichen Geheimdienstaustauschs, aber im engen Sinne der Allianzmitgliedschaft ist Surfsharks Standort auf dem Papier sogar der weniger exponierte.
Was Mullvad-Nutzer tatsächlich schützt, ist nicht Schwedens Bündniszugehörigkeit. Es ist das Kontosystem. Keine E-Mail, kein Name, keine Rechnungsadresse standardmäßig verknüpft, nur eine selbst generierte 16-stellige Nummer. Selbst wenn schwedische Behörden anklopfen würden, gäbe es kaum etwas herauszugeben. Surfshark verknüpft das Konto wie die meisten VPNs mit einer E-Mail-Adresse, ein kleinerer, aber realer Unterschied bei dem, was theoretisch angefragt werden könnte.
No-Logs-Behauptung: beide auditiert, nicht nur versprochen
Hier würden wir beiden Anbietern vertrauen. Mullvads No-Logs-Behauptung wurde von Cure53 geprüft, derselben Firma, die auch Surfshark auditiert hat, ohne nennenswerte Widersprüche zur veröffentlichten Richtlinie. Surfshark wurde bereits zweimal geprüft, zuletzt 2021. Mullvads Team geht sogar noch weiter mit detaillierten Transparenzberichten und, bemerkenswert, hat 2023 eine echte Polizeirazzia auf seinen Servern überstanden, ohne verwertbare Nutzerdaten zu liefern, da Nur-RAM-Server bei jedem Neustart gelöscht werden.
Wenn auditiertes No-Logs Ihr Maßstab ist, erfüllen beide ihn. Das ist nicht der entscheidende Punkt zwischen den beiden.
Streaming: nicht mal knapp
Surfshark entsperrt Netflix, Disney+, Prime Video und BBC iPlayer zuverlässig, mit 4,5 von 5 in unseren Tests. Mullvad kommt nur auf 2 von 5 und hat sich nie als Streaming-VPN positioniert. Mullvads eigene FAQ macht daraus keinen Hehl: Entsperren ist für das Projekt keine Priorität, dessen Philosophie eher auf minimale Funktionen setzt als auf die Jagd nach jedem Streaming-Katalog.
Wer ein VPN speziell für geoblockierte Serien sucht, für den ist Surfshark hier nicht nur die bessere, sondern fast die einzige Option der beiden.
Servernetz und Geschwindigkeit
Surfsharks Netzwerk ist über viermal so groß wie das von Mullvad: 3.200+ Server in 65 Ländern gegenüber 769 Servern in 37 Ländern. Beide erreichen 5 von 5 bei unserem Geschwindigkeitskriterium, das den reinen Durchsatz misst statt der Netzwerkgröße, im Alltag sollte sich die Geschwindigkeit also ähnlich anfühlen. Der Unterschied zeigt sich vor allem bei Überlastung zu Stoßzeiten und bei der Standortauswahl. Ein größeres Netzwerk gibt Surfshark mehr Spielraum, um einen ausgelasteten Server zu umgehen, und mehr Optionen auf Städteebene in beliebten Ländern.
Preis: flache Ehrlichkeit gegen Rabattstufen
Mullvad verlangt 5,50 Dollar im Monat, ohne Wenn und Aber, egal ob ein Monat oder zwölf gebucht werden. Keine Lockpreis-Falle, die nach der ersten Laufzeit hochschnellt. Surfsharks Listenpreis liegt bei 15,45 Dollar im Monat, aber der Jahresplan senkt die effektiven Kosten auf 59,76 Dollar im Jahr, etwa 4,98 Dollar im Monat. Über ein volles Jahr gerechnet ist Surfshark bei sofortiger Bindung etwas günstiger als Mullvad. Mullvads Festpreis lässt sich dafür auf den ersten Blick einfacher einschätzen, ohne böse Überraschung bei der Verlängerung.
Keiner der beiden Anbieter listet aktuell einen 2-Jahres-Plan in unseren Preisdaten, die Jahresbindung ist derzeit also bei beiden die längste verfügbare Rabattstufe.
Zahlung und Anonymität beim Kauf
Mullvad akzeptiert Bargeld per Post, zusätzlich zu Krypto und Karte, was für ein Mainstream-VPN ziemlich weit geht, um eine Zahlung ohne identifizierende Informationen zu ermöglichen. Surfshark akzeptiert Krypto und Karte, aber kein Bargeld. Für die meisten Menschen spielt das keine Rolle. Wer die Zahlungsspur bewusst minimieren will, für den ist das ein echter Pluspunkt für Mullvad.
Kundensupport und Alltagstauglichkeit
Surfshark erreicht beim Support die volle Punktzahl: Live-Chat, 24/7-Verfügbarkeit, E-Mail und ein solides Hilfe-Center. Mullvad liegt bei 3, ohne Live-Chat und ohne durchgehende Erreichbarkeit, nur E-Mail und Dokumentation. Das passt zur Philosophie beider Unternehmen. Mullvad richtet sich an Nutzer, die selbst gerne Probleme lösen. Surfshark will von jedem nutzbar sein, auch von jemandem, der eine Stunde vor dem Flug in Panik anruft, weil ein Stream nicht lädt.
Verschlüsselung und Protokolle
Beide unterstützen WireGuard und OpenVPN, und beide setzen standardmäßig auf AES-256, also kein schwaches Glied auf Algorithmus-Ebene. Der Unterschied zeigt sich beim Handshake: Mullvad nutzt RSA-4096, Surfshark RSA-2048. Beide gelten nach aktuellen kryptografischen Standards als sicher, keine dokumentierte Schwachstelle ist mit diesem Unterschied verbunden. Surfshark bietet zusätzlich ChaCha20 als alternative Chiffre an, die auf mobilen Geräten mit weniger dedizierter Verschlüsselungshardware oft besser abschneidet.
Keiner der beiden Anbieter betreibt ein öffentliches Bug-Bounty-Programm, einer der wenigen Schwachpunkte bei sonst starken Sicherheitsbilanzen. Mullvad veröffentlicht Quellcode und Audits offen, was den fehlenden Bounty teilweise ausgleicht, und Surfshark legt Eigentümerstruktur und Affiliate-Vereinbarungen klar offen, auch wenn ein Bounty-Programm eine sinnvolle Ergänzung wäre.
Wer sich für welches VPN entscheiden sollte
Wählen Sie Mullvad, wenn Sie bei der Anmeldung so wenig Spuren wie möglich hinterlassen wollen, mit einer schnörkellosen App zurechtkommen und Streaming nicht der Grund für ein VPN ist. Wählen Sie Surfshark, wenn Sie ein einziges Abonnement wollen, das Netflix, einen ganzen Haushalt an Geräten und reaktionsschnellen Support abdeckt, ohne dass Sie groß darüber nachdenken müssen. Beide Ansätze sind legitim, es kommt nur darauf an, welches Problem bei Ihnen tatsächlich zuerst auftaucht. Beide haben ein unabhängiges Audit bestanden, keine der beiden Entscheidungen bedeutet also, auf eine ungeprüfte No-Logs-Behauptung zu wetten. Wenn Sie noch unentschlossen sind: Fragen Sie sich, welches Szenario Sie mehr stören würde, ein VPN, das Ihre Serien nicht entsperrt, oder eines, das Ihre E-Mail-Adresse kennt. Diese Frage entscheidet meist schneller als jede Tabelle. Wer beides für gleich wichtig hält, sollte in Erwägung ziehen, beide Dienste parallel zu testen: Mullvad für sensible Recherche, Surfshark für den Serienabend, das ist kein Widerspruch, sondern für viele Nutzer schlicht die praktischste Lösung.
Bei Streaming, Geräteabdeckung und Alltagstauglichkeit ist Surfshark für die meisten Menschen die praktischere Wahl. Für minimale Spuren bei der Anmeldung und Barzahlung ist Mullvad kaum zu schlagen, auch wenn ein zweites VPN oder Smart DNS nötig sein kann, wer viel streamt.
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