Kaspersky sagt, sein VPN protokolliere nicht, was Sie online tun. Das ist die Zusage. Was fehlt, ist der Nachweis: Ein unabhängiges No-Logs-Audit von Kaspersky VPN Secure Connection ist uns nicht bekannt, die Server werden zusammen mit einem Partnerunternehmen betrieben, und in Deutschland warnt das BSI seit 2022 vor dem Einsatz von Kaspersky-Virenschutz.
Dann fiel das VPN im Oktober 2026 weltweit fast vier Tage lang aus. Hier steht, was wir über die Logs wissen und ob wir es nutzen würden.
Kurze Antwort
Kaspersky VPN speichert nach Angaben des Unternehmens vermutlich keinen detaillierten Browserverlauf. Aber „vermutlich“ ist alles, was Sie bekommen. Ohne unabhängiges Audit vertrauen Sie einer Firma mit Hauptsitz in Russland und einem Infrastrukturpartner, den Sie sich nicht ausgesucht haben. Für ein VPN, dessen ganze Aufgabe Vertrauen ist, reicht uns das nicht, wenn geprüfte Alternativen ungefähr gleich viel kosten.
Was Kaspersky zu Logs sagt
Die wichtigste öffentliche Aussage von Kaspersky zu VPN-Logs stammt aus dem eigenen Supportforum. Im Oktober 2021 antwortete ein Kaspersky-Mitarbeiter auf eine Nutzerfrage zu Logs und Schweizer Recht, mit diesen Punkten:
- Kaspersky stellt die VPN-Server „gemeinsam mit seinem vertrauenswürdigen Partner, dem Softwareunternehmen Pango“ bereit
- Kaspersky und Pango protokollieren die Online-Aktivität der Nutzer nicht
- IP-Adressen werden nach dem Ende einer VPN-Sitzung nicht gespeichert
- Die Zusammenarbeit mit Pango ist durch eine Datenschutzvereinbarung geregelt
- Zu diesem Zeitpunkt habe Kaspersky keine Anfragen von Strafverfolgern oder Behörden zu Kaspersky VPN erhalten
Moderatoren ergänzten im selben Thread, dass Logs erfasst werden können, wenn ein Nutzer den technischen Support um Hilfe bittet, mit seiner Zustimmung.
Das ist eine recht klare Aussage. Sie ist aber fünf Jahre alt, stammt aus einem Forum statt aus einem Auditbericht und lässt sich von außen nicht überprüfen.
Was Kaspersky erfasst
Wie jedes VPN braucht Kaspersky einige Daten für den Betrieb. Ein inzwischen archivierter Testbericht von Security.org listete, was Kaspersky demnach speicherte: technische Daten für Absturzanalysen und die VPN-Verbindung, eine Installations-ID für einen Monat, ein Token, das nach 24 Stunden gelöscht wird, Anmeldeereignisse für einen Monat, eine verschlüsselte Nutzer- und Geräte-ID sowie Statistiken zu VPN-Sitzungen. Derselbe Bericht führt in einer Tabelle auch IP-Adresse und Browsertyp als protokolliert auf und sagt an anderer Stelle das Gegenteil, seine Details sind also mit Vorsicht zu genießen.
Ein Browserverlauf ist das alles nicht. Aber Anmeldeereignisse und Sitzungsstatistiken für einen Monat sind mehr, als ein strikter No-Logs-Anbieter wie Mullvad aufbewahrt.
Wurde Kaspersky VPN geprüft?
Nicht auf Logs. AV-TEST hat Kaspersky VPN Secure Connection im November 2024 getestet, im Auftrag von Kaspersky. Geprüft wurden Tempo, Latenz, Torrenting, Streaming und Leak-Schutz, mit guten Ergebnissen. Ein No-Logs-Audit war das aber nicht. Auf der Seite heißt es, es werde ein Ansatz „ohne Protokollierung“ verfolgt, und das ist Kasperskys Angabe, kein von AV-TEST auf den Servern überprüfter Befund.
Zum Vergleich die Anbieter an der Spitze unserer Datenbank:
| VPN | No-Logs-Audit | Audit-Wertung | Jurisdiktion | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Kaspersky VPN | Keines zu Logs | Nicht in unserer Datenbank | Nicht bewertet | Nicht bewertet |
| NordVPN | PwC | 5/5 | Panama (5/5) | 4,63/5 |
| Proton VPN | KPMG | 5/5 | Schweiz (5/5) | 4,24/5 |
| Surfshark | Cure53 | 5/5 | Niederlande (4/5) | 4,08/5 |
| ExpressVPN | PwC | 5/5 | Britische Jungferninseln (5/5) | 3,72/5 |
Kaspersky VPN gehört nicht zu den 49 VPNs, die wir bewerten. Stünde es darin, käme es nach unseren Regeln allein wegen des fehlenden Audits bei diesem Kriterium auf höchstens 2/5. Unser Ratgeber zum Prüfen einer No-Logs-Richtlinie erklärt, warum ein Audit zählt und was ein gutes abdecken muss.
Die Frage nach Pango
Was die meisten Nutzer von Kaspersky VPN nicht wissen: Die Server gehören nicht Kaspersky allein. Pango ist das Unternehmen hinter Hotspot Shield, und Hotspot Shield bekommt in unserer Datenbank 0/5 beim geprüften No-Logs-Kriterium. Die Vorgeschichte steht in führt Hotspot Shield Logs?
Das beweist nichts Schlechtes über Kasperskys Aufbau. Es heißt aber, dass Ihr Verkehr über eine Infrastruktur läuft, die mit einem Dritten betrieben wird, nach einem Vertrag, den Sie nicht lesen können. Eigentümer und Partner prüfen wir bei jedem VPN zuerst, genau aus diesem Grund. Wie verflochten die Branche ist, zeigt wer besitzt Ihr VPN?
BSI-Warnung, US-Verbot und die Russland-Frage
Am 15. März 2022 warnte das BSI nach § 7 BSI-Gesetz vor dem Einsatz von Kaspersky-Virenschutz und empfahl, die Produkte durch Alternativen zu ersetzen. Die Begründung: Virenschutz hat weitreichende Systemrechte und eine dauerhafte, verschlüsselte und nicht prüfbare Verbindung zum Hersteller, und ein russischer Hersteller könne zu Angriffen gezwungen, ausspioniert oder gegen die eigenen Kunden missbraucht werden. Kaspersky wehrte sich juristisch, scheiterte aber im Eilverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht NRW.
Die USA gingen weiter. Am 20. Juni 2024 verbot das US-Handelsministerium Kaspersky den Verkauf seiner Produkte in den USA und an US-Bürger. Bestimmte Updates durfte Kaspersky noch bis zum 29. September 2024 liefern.
Kaspersky hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und einen Teil der Datenverarbeitung in die Schweiz verlagert. Wie man die Politik auch bewertet, für VPN-Nutzer ist der Punkt einfach: Bei der Jurisdiktion geht es darum, welcher Staat eine Firma zwingen kann, Daten herauszugeben oder ihre Software zu ändern. Bei einem VPN wiegt diese Frage schwerer als bei fast jedem anderen Produkt. Die BSI-Begründung zu Systemrechten und dauerhafter Herstellerverbindung trifft ein VPN, durch das Ihr gesamter Verkehr läuft, mindestens genauso.
Der Ausfall im Oktober 2026
Am Sonntag, 11. Oktober 2026, meldeten Nutzer erste Verbindungsprobleme mit Kaspersky VPN. Binnen eines Tages kamen Berichte aus Malaysia, Brasilien, Italien, Deutschland, Japan und Australien. Laut TechRadars Rekonstruktion des Ausfalls bestätigte Kaspersky am 12. Oktober, dass VPN, Passwort-Manager und Safe Kids vorübergehend nicht verfügbar waren. Am Morgen des 14. Oktober verband das VPN wieder.
Kaspersky sprach von technischen Problemen ohne genaue Ursache, versicherte, Nutzerdaten und Schutz seien nicht betroffen, und kündigte an, betroffene Abos zu verlängern. Zeitlich fiel der Ausfall mit Drohnenangriffen auf Yandex-Rechenzentren in Russland zusammen, was viele Spekulationen auslöste. TechRadar sprach ausdrücklich von einer zeitlichen Korrelation, nicht von einer belegten Ursache: Kaspersky hat nie gesagt, dass ein Verbraucherdienst auf Yandex Cloud läuft.
Ein Ausfall ist kein Logging-Problem. Aber vier Tage ohne VPN, Passwort-Manager und Kinderschutz auf einmal sind ein gutes Argument dagegen, alles bei einem Anbieter zu bündeln.
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Ist Kaspersky VPN sicher?
Es ist keine Schadsoftware, und der Leak-Schutz hat im beauftragten AV-TEST-Test gut abgeschnitten. Wer es ohnehin in seiner Kaspersky-Suite hat und nur im Café-WLAN nutzt, geht ein begrenztes Risiko ein.
Als Datenschutz-Werkzeug würden wir es aber nicht wählen, aus drei Gründen:
- Kein unabhängiges No-Logs-Audit. Die Zusage beruht auf Aussagen des Unternehmens.
- Fremde Infrastruktur. Die Server laufen mit Pango, das Sie nicht gewählt haben.
- Jurisdiktion. Ein Mutterkonzern mit Sitz in Russland, vor dem das BSI warnt und der in den USA verboten ist, aus genau den Gründen, die ein VPN ausräumen soll.
Suchen Sie ein Sicherheitspaket, vergleicht unser Ratgeber zu Bundles aus VPN, Antivirus und Passwort-Manager Angebote von geprüften VPN-Anbietern. Und ob Sie überhaupt Antivirus und VPN brauchen, klärt VPN vs. Antivirus.
Bessere Alternativen zu Kaspersky VPN
Proton VPN passt am besten, wenn Ihnen der Gedanke an Schweizer Datenschutz gefiel. Proton sitzt tatsächlich in der Schweiz (5/5 bei der Jurisdiktion), die No-Logs-Richtlinie ist von KPMG geprüft (5/5), und es läuft auf RAM-Servern. Es kostet 47,88 $ im ersten Jahr (etwa 3,99 $ pro Monat), und der Gratis-Tarif hat kein Datenlimit.
NordVPN ist insgesamt unsere erste Wahl, 4,63/5, mit von PwC geprüfter No-Logs-Richtlinie, RAM-Servern und der Funktion Bedrohungsschutz, die schädliche Seiten und Werbung blockt. Der 1-Jahres-Plan kostet 68,85 $ (etwa 5,74 $ pro Monat), mit 60 Tagen Erstattung.
Eine größere Auswahl finden Sie bei unseren VPNs mit unabhängig geprüfter No-Logs-Richtlinie. Und wer gerade seine Sicherheits-Tools aufräumt: Unsere Analyse ist Urban VPN sicher? zeigt, wie schlimm es mit einem ungeprüften VPN kommen kann.
Kaspersky sagt, sein VPN protokolliere Ihre Online-Aktivität nicht und behalte nach einer Sitzung keine IP-Adressen, doch diese Zusage wurde nie unabhängig geprüft, die Server laufen mit Hotspot-Shield-Hersteller Pango, das BSI warnt seit 2022 vor Kaspersky-Virenschutz, und in den USA ist der Konzern seit 2024 verboten. Der viertägige Ausfall im Oktober 2026 hilft auch nicht. Wir würden ein geprüftes VPN nehmen: Proton VPN für Schweizer Datenschutz oder NordVPN als besten Allrounder.