ProtonVPN sagt, es speichere nichts darüber, was Sie tun, wann Sie sich verbinden und von wo. Anders als die meisten Anbieter mit derselben Behauptung hat Proton vier aufeinanderfolgende Jahre unabhängiger Audits, eine Jurisdiktion, die VPN-Logging rechtlich nicht erzwingen kann, und einen oft zitierten Vorfall, den kaum jemand zu Ende liest. Hier sind die Belege, auch die unbequemen.

Was die No-Logs-Richtlinie verspricht

ProtonVPN protokolliert nicht: Browseraktivität, Verbindungszeitstempel, Sitzungsdauer, Ihre ursprüngliche IP-Adresse und keine an Nutzer gebundenen Bandbreitendaten.

Was Proton speichert, ist das, was jeder kontobasierte Dienst braucht: Ihre Konto-E-Mail, Zahlungsdaten und einen einzigen Zeitstempel des letzten erfolgreichen Logins, der bei jeder Anmeldung überschrieben und nur zur Missbrauchsabwehr gehalten wird. Das ist die übliche Form einer ernstgemeinten No-Logs-Richtlinie. Die Frage ist nie der Wortlaut, sondern die Prüfung.

Vier Jahre Audits, dieselbe Antwort

ProtonVPN lässt seine No-Logs-Infrastruktur seit 2022 jährlich von Securitum prüfen, einer europäischen Sicherheitsfirma. Das jüngste Audit wurde im August 2025 abgeschlossen. Die Prüfer erhielten technische Interviews, beaufsichtigten Zugang zu zufällig ausgewählten Live-Produktionsservern und sichteten Serverkonfigurationen, Logging-Einstellungen und Admin-Abläufe. Das Fazit 2025: keine Aktivitäts-Logs, keine gespeicherten Verbindungs-Metadaten, keine Traffic-Inspektion, die der Richtlinie widerspräche.

Ein jährlicher Rhythmus zählt mehr als ein einzelnes Audit. Eine einmalige Prüfung belegt einen Moment, vier hintereinander belegen eine Gewohnheit. Unter den großen Anbietern hält nur NordVPN dieses Tempo mit. Hinzu kommt: Protons Apps sind Open Source, also kann jeder die Client-Seite des Datenschutzversprechens selbst nachlesen, nicht nur bezahlte Prüfer.

Der Schweizer Jurisdiktionsvorteil

Proton arbeitet unter Schweizer Recht, und die Schweiz behandelt VPNs ungewöhnlich gut. VPN-Anbieter fallen nicht unter die Vorratsdatenspeicherung, die für Telekom-Anbieter gilt, und nach geltendem Schweizer Recht kann ProtonVPN nicht gezwungen werden, mit dem Loggen von Nutzern zu beginnen. Die Schweiz liegt außerhalb der EU und außerhalb der Five-, Nine- und 14-Eyes-Allianzen.

Jurisdiktion ist die Ebene, die viele beim Thema No-Logs vergessen. Eine perfekte Richtlinie unter einem schlechten Rechtsregime ist nur eine Gerichtsanordnung von der Wertlosigkeit entfernt. Protons Kombination aus geprüfter Praxis und einem rechtlichen Zuhause, das diese Praxis nicht überstimmen kann, ist die stärkste verfügbare Paarung. Mehr zur Jurisdiktionsfrage in unserem Leitfaden VPN-Jurisdiktion.

Der Fall 2021: was wirklich passierte

2021 protokollierte ProtonMail, der E-Mail-Dienst, die IP-Adresse eines französischen Klimaaktivisten nach einer rechtsverbindlichen Schweizer Anordnung. Die Daten trugen zu einer Festnahme bei. Der Vorfall wurde zum Dauerzitat aller, die Proton misstrauen.

Drei Fakten gehen beim Nacherzählen verloren. Erstens: Die Anordnung zielte auf ProtonMail, und E-Mail-Dienste fallen unter Schweizer Pflichten, die für VPNs ausdrücklich nicht gelten. Das Schweizer Recht trennt beide, genau deshalb kann ProtonVPN nicht auf dieselbe Weise gezwungen werden. Zweitens: ProtonMail hatte rückwirkend keine Logs zum Herausgeben, es wurde angewiesen, ein einziges Konto ab dem Zeitpunkt der Anordnung zu protokollieren. Das ist der Unterschied zwischen gezielter Überwachung unter Beschluss und der Speicherung aller Daten. Drittens: Proton bekämpfte den Umfang der Anordnung, legte den Vorfall offen und passte seine öffentlichen Formulierungen an.

Die ehrliche Lehre lautet nicht “Proton loggt”. Sie ist enger und nützlicher: Jedes rechtstreue Unternehmen befolgt verbindliche Anordnungen in seiner Jurisdiktion, also wählen Sie Dienste, deren Jurisdiktion begrenzt, was Anordnungen verlangen können. Für VPN-Dienste in der Schweiz ist diese Grenze derzeit stark.

Was Audits belegen und was nicht

Securitum prüfte Konfigurationen auf zufällig gewählten Live-Servern, Datenflüsse, Logging-Einstellungen und Admin-Abläufe, während angekündigter Zeitfenster mit vollem Zugang. Kein Audit kann jeden Server an jedem Tag prüfen, keine verdeckte Parallel-Infrastruktur ausschließen (es gibt keine Hinweise darauf, logisch aber unwiderlegbar) und kein künftiges Verhalten unter künftiger Führung garantieren.

Genau deshalb tragen Kadenz und Konsistenz das Gewicht. Ein Anbieter, der jährlich eine unabhängige Prüfung bucht, die Ergebnisse samt Kleinigkeiten veröffentlicht und Open-Source-Clients ausliefert, macht den unehrlichen Weg für sich teuer. So aufgebautes Vertrauen wächst mit jedem sauberen Jahr. Vier Jahre später gehört Protons Bilanz neben der von NordVPN zur besten der Branche. Wie man solche Belege selbst einordnet, zeigt unser Leitfaden No-Logs verifizieren.

Vergleich mit anderen geprüften Anbietern

VPNPrüffirmaAuditsJurisdiktionBewertung
ProtonVPNSecuritum4 + SOC 2Schweiz4,2/5
NordVPNPwC, Deloitte6Panama4,6/5
MullvadCure534Schweden4,2/5
SurfsharkCure532Niederlande4,1/5
ExpressVPNKPMG2BVI3,7/5

Protons besondere Kombination bleibt jährliche externe Prüfung, eine Jurisdiktion mit ausdrücklichem gesetzlichem Schutz für VPN-No-Logging und Open-Source-Clients. Kein anderer Anbieter hält alle drei gleichzeitig.

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Loggt der Gratis-Tarif anders?

Nein. Gratis und Bezahlversion laufen auf derselben geprüften Infrastruktur und unter derselben Richtlinie. Die Grenzen des Gratis-Plans liegen bei Geschwindigkeit und Funktionen, nie beim Datenschutz. Diese Gleichbehandlung ist selten und gewollt. Wer testen will, kann den Gratis-Tarif hier ausprobieren (rund 9,99 €/Monat im Bezahlplan, ca. 3,99 €/Monat im Jahresplan).

Unser Urteil

Ja, ProtonVPNs No-Logs-Behauptung verdient Vertrauen: vier Audits in Folge, Open-Source-Apps und Schweizer Recht, das VPN-Logging nicht erzwingen kann, ergeben neben NordVPN den stärksten Gesamtbeleg in unserem Vergleich. Der ProtonMail-Vorfall 2021, endlos gegen Proton zitiert, markiert in Wahrheit die Rechtsgrenze, die die VPN-Seite schützt. Vertrauen Sie Proton beim Datenschutz, kaufen Sie es nur nicht primär für Netflix.