AdGuard VPNs Datenschutzrichtlinie ist unmissverständlich: keine Protokollierung besuchter Seiten, kein gespeicherter Browserverlauf, keine mit der Identität verknüpften Verbindungszeitstempel. Auf dem Papier eine starke Aussage. Mitte 2026 bleibt es aber genau das: eine Aussage, ohne unabhängiges Drittaudit zur Bestätigung, anders als bei den meisten großen Konkurrenten.

Was AdGuard VPNs Richtlinie tatsächlich sagt

AdGuard VPNs Datenschutzrichtlinie, zuletzt aktualisiert am 23. Dezember 2024, erklärt, dass das Unternehmen keine Logs auf seinen VPN-Servern sammelt und keinen Einblick hat, welche Seiten verbundene Nutzer besuchen. Weder IP-Adressen noch Surfaktivität noch Verbindungszeitstempel werden so erfasst, dass sie einem einzelnen Nutzer zugeordnet werden könnten. Wörtlich genommen steht diese Richtlinie auf einer Stufe mit dem, was auch NordVPN, ProtonVPN und Mullvad behaupten.

Die Lücke: kein unabhängiges Audit

Hier fällt AdGuard VPN zurück. Stand Juli 2026 gibt es kein veröffentlichtes Drittaudit der Server, Logging-Praktiken oder Infrastruktur, das die No-Logs-Behauptung bestätigt. Damit steht AdGuard VPN in einer anderen Kategorie als die meisten großen VPN-Marken. NordVPN, ExpressVPN, ProtonVPN, Surfshark, Mullvad, Private Internet Access, Windscribe, IVPN und OVPN haben alle bis 2026 Drittaudit-Berichte oder Bestätigungen ihrer No-Logs-Behauptungen veröffentlicht. AdGuard VPNs Apps und Datenschutzrichtlinie haben diesen Prozess nicht durchlaufen.

Ein echter Schritt Richtung Transparenz

Ganz unbelegtes Marketing ist es trotzdem nicht. Im Januar 2026 hat AdGuard sein Verschleierungsprotokoll namens TrustTunnel unter Apache-2.0-Lizenz quelloffen gemacht, samt Spezifikation und Referenzimplementierungen für Server und Client. Sicherheitsforscher können damit genau nachvollziehen, wie die Verschleierungsschicht funktioniert, ein echter Transparenzgewinn, den einige deutlich größere VPN-Anbieter für ihre eigenen proprietären Protokolle bislang nicht geleistet haben. Der Haken: Die eigentlichen Endnutzer-Apps für Windows, Mac, iOS, Android und die Browser-Erweiterung bleiben Closed Source, das offene Protokoll deckt also nur eine Schicht des Produkts ab.

AdGuard VPN im Vergleich bei Vertrauen

AnbieterAngegebene Logs-RichtlinieUnabhängiges AuditOpen-Source-KomponenteScore
NordVPNNo LogsJa, 7 AuditsTeilweise4,63/5
ProtonVPNNo LogsJa, KPMG + SOC 2Ja (Apps)4,24/5
MullvadNo LogsJa, 4 Cure53-AuditsJa (Apps)4,04/5
AdGuard VPNNo LogsKeins veröffentlichtNur TrustTunnel-Protokoll3,00/5

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Warum das mehr zählt, als es scheint

Eine Datenschutzrichtlinie ist ein Versprechen. Ein Audit ist jemand, der prüft, ob das Unternehmen es gehalten hat. Der Unterschied zählt am meisten für Menschen mit einem echten Grund zur Sorge, über ihre VPN-Aktivität identifiziert zu werden, nicht für gelegentliche Nutzer, die nur ISP-Tracking vermeiden wollen. Ohne Audit gibt es keine Möglichkeit, unabhängig zu bestätigen, dass sich AdGuard VPNs Serverinfrastruktur wirklich so verhält, wie es die Richtlinie beschreibt, und keine Möglichkeit, eine Abweichung zu erkennen, falls es eine gibt.

Das ist keine Unterstellung, AdGuard VPN würde lügen. Zahlreiche kleine und mittlere VPN-Anbieter arbeiten ehrlich, ohne je ein formales Audit in Auftrag zu geben, oft aus Kostengründen. Es bedeutet lediglich, dass Nutzer mehr auf Vertrauensbasis akzeptieren müssen als bei einem bereits unabhängig geprüften Anbieter.

Wie AdGuard VPN im Alltag abschneidet

Für Nutzer, die vor allem ein bekanntes, günstiges VPN für gelegentliches Streaming, Werbeblocking und Schutz im öffentlichen WLAN suchen, ist AdGuard VPN eine solide Option, solange man sich der Audit-Lücke bewusst ist. Für Nutzer mit einem konkreten, hohen Risiko sollte diese Lücke jedoch den Ausschlag zugunsten eines bereits geprüften Anbieters geben, selbst wenn das etwas mehr kostet.

Was AdGuard VPN anderswo gut macht

AdGuard VPN erreicht in unserem Gesamtranking 3,00 von 5, was einen vertretbaren Preis von 47,88 $ im ersten Jahr, eine begrenzte kostenlose Testversion, und Funktionen widerspiegelt, die für die Kernzielgruppe gut passen: Nutzer, die bereits AdGuards Werbeblocker-Produkte verwenden und ein integriertes VPN wollen. Für gelegentliche Datenschutzbedürfnisse sowie Werbe- und Tracker-Blocking neben einer VPN-Verbindung ist es eine vertretbare, preislich wettbewerbsfähige Option gegenüber ähnlich positionierten Anbietern im Mittelfeld.

Welche Daten AdGuard VPN wirklich sammelt

Auch unter einer strikten No-Logs-Richtlinie sammelt AdGuard VPN, wie jeder Mainstream-Anbieter, weiterhin einige Daten auf Kontoebene, um den Dienst zu betreiben: eine E-Mail-Adresse bei Registrierung damit, Abo- und Zahlungsdetails über Zahlungsdienstleister, und aggregierte technische Daten wie die insgesamt genutzte Bandbreite im Netzwerk zur Kapazitätsplanung. Nichts davon widerspricht einer No-Logs-Richtlinie, die sich konkret auf Ihre Surfaktivität während der Verbindung bezieht, nicht auf die grundlegenden Kontoinformationen, die jeder Abo-Dienst braucht.

Wie Sie den Audit-Status von AdGuard VPN im Blick behalten

AdGuard ist ein aktives Unternehmen, das regelmäßig Produkt-Updates veröffentlicht, darunter die TrustTunnel-Offenlegung im Januar 2026, ein zukünftiges Audit ist also nicht ausgeschlossen. Ist das für Sie entscheidend, lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf AdGuards eigenen Blog und Pressematerial, statt anzunehmen, der aktuelle ungeprüfte Status sei dauerhaft. Anbieter kündigen ein Audit manchmal zusammen mit anderen Produktmeilensteinen an, und AdGuards jüngste Transparenzschritte deuten darauf hin, dass sich das Unternehmen zumindest in diese Richtung bewegt.

Ein Blick auf ähnlich positionierte Konkurrenten

AdGuard VPN steht mit dem Fehlen eines unabhängigen Audits nicht ganz allein da, auch einige andere Anbieter im unteren bis mittleren Preissegment haben diesen Schritt bisher nicht gemacht. Der Unterschied zu den Top-Anbietern zeigt sich hier weniger im Preis als in der Priorität, die ein Unternehmen der überprüfbaren Vertrauensbildung einräumt, ein Faktor, der sich bei der Wahl zwischen ansonsten ähnlich ausgestatteten VPNs durchaus lohnt zu berücksichtigen.

Was ein zukünftiges Audit bei AdGuard VPN leisten müsste

Sollte AdGuard ein Audit beauftragen, wäre die wertvollste Variante eine, die dem Vorbild von NordVPN und Mullvad folgt: eine namentlich genannte, angesehene Prüffirma, ein ausführlicher öffentlicher Bericht mit Methodik und konkreten Einzelbefunden statt einer knappen Zusammenfassung, und im Idealfall eine Wiederholung über mehrere Jahre statt einer einmaligen Momentaufnahme. Bis dahin bleibt die No-Logs-Behauptung von AdGuard VPN plausibel, aber eben nicht unabhängig bestätigt, ein Unterschied, der bei sensiblen Anwendungsfällen durchaus den Ausschlag geben kann.

Ein Wort zur Rechtsprechung

AdGuard VPNs Unternehmensstruktur macht den genauen Firmensitz weniger prominent sichtbar als bei Anbietern wie Proton in der Schweiz oder Mullvad in Schweden, die ihren Standort klar kommunizieren. Die Rechtsprechung bestimmt, welchen rechtlichen Herausgabepflichten ein Anbieter im Ernstfall unterliegt, unabhängig von der Datenschutzrichtlinie selbst. Das ist eine eigene Überlegung, die bei der Einschätzung des Gesamtvertrauens neben der Audit-Frage mitgedacht werden sollte.

Lohnt sich das Warten auf ein Audit?

Geht es nur um Datenschutz im Alltag, das Vermeiden von ISP-Tracking, Werbeblocking und gelegentliches Freischalten geoblockter Inhalte, ist AdGuard VPNs aktueller ungeprüfter Status ein vertretbares Risiko, zumal angesichts der TrustTunnel-Offenlegung. Besteht ein echter Bedarf an verifizierter, geprüfter Sicherheit, Journalismus, Aktivismus, Leben an einem Ort mit rechtlichem Risiko durch VPN-Nutzung, bleibt eine geprüfte Alternative wie NordVPN oder ProtonVPN die sicherere Wahl, bis AdGuard ein gleichwertiges Audit in Auftrag gibt und veröffentlicht, was angesichts der aktuellen Produktentwicklung durchaus realistisch erscheint.

AdGuard VPNs Werbeblocker-Seite

Ein Teil dessen, was AdGuard VPN von reinen VPN-Anbietern unterscheidet, ist das Erbe als Werbe- und Tracker-Blocker. Diese Funktion in die VPN-App zu integrieren bedeutet, dass weniger Tracker Ihr Gerät überhaupt erreichen, ein echter Datenschutzvorteil, unabhängig von der No-Logs-Frage. Wenn Ihnen Werbe- und Tracker-Blocking genauso wichtig ist wie die VPN-Verschlüsselung selbst, ist diese Kombination ein echtes Plus für AdGuard VPN, auch wenn die Audit-Lücke bestehen bleibt. Beide Funktionen sollten trotzdem als getrennte Schutzebenen verstanden werden, nicht als austauschbar.

Unser Fazit

AdGuard VPNs No-Logs-Richtlinie liest sich gut, und die Offenlegung von TrustTunnel ist ein echter Schritt Richtung Transparenz, aber die Behauptung hat 2026 immer noch kein unabhängiges Audit hinter sich. Für den Datenschutz im Alltag ist es eine vertretbare, günstige Wahl. Für sensiblere Anforderungen bieten NordVPN und Proton VPN dasselbe Versprechen, gestützt auf Jahre wiederholter, veröffentlichter Audits.

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