ExpressVPN und Mullvad konkurrieren kaum um dieselbe Zielgruppe. Das eine ist das polierte VPN, das die Eltern in zwei Minuten einrichten könnten. Das andere ist eine schwedische Firma, die ein Konto gegen Bargeld verkauft, keine E-Mail nötig. Hier der reale Vergleich, wenn eine Entscheidung ansteht.
Direkter Vergleich
| Kriterium | ExpressVPN | Mullvad |
|---|---|---|
| Gesamtwertung | 3,7/5 | 4,2/5 |
| Jurisdiktion | Britische Jungferninseln | Schweden |
| No-Logs-Audit | PwC (1x) | Cure53 |
| Konto nötig | Keins (Zufallsnummer) | |
| Barzahlung | Nein | Ja |
| Preis pro Monat | 11,19€ | 5€ |
| Preis im Jahresplan (pro Monat) | 4,30€ | 5€ (pauschal) |
| Server / Länder | 3.000+ / 94 | 769 / 37 |
| Streaming-Wertung | 5/5 (Excellent) | 2/5 (nicht dafür gebaut) |
| Geräte max. | 10 bis 14 | 5 |
| Bug Bounty | Ja | Nein |
| Transparenz (Eigentümer) | 1/5 (Kape Technologies) | 5/5 (in Gründerhand) |
| Geld-zurück-Garantie | 30 Tage | 30 Tage |
Preis: Pauschale gegen Staffelrabatt
ExpressVPN spielt das übliche Preisspiel der VPN-Branche. Monatlich zahlen kostet 11,19€. Wer sich für ein Jahr bindet, zahlt effektiv 4,30€ im Monat (51,59€ im Voraus), und der Zweijahresplan drückt den Preis noch weiter. Der Trick: Der günstige Preis gilt erst, wenn man sich langfristig gebunden hat.
Mullvad macht das Gegenteil, aus Prinzip. Der Preis liegt bei pauschal 5 Euro im Monat, egal ob für einen Monat oder für zwölf gezahlt wird. Kein Jahresrabatt zum Hinterherjagen, keine böse Überraschung bei der automatischen Verlängerung. Ein volles Jahr kostet 60€, gleichmäßig verteilt. Wer Vorhersehbarkeit wichtiger findet als Rabattjagd, bekommt bei Mullvad ein Modell, das angenehm langweilig ist.
Über ein Jahr gerechnet liegt ExpressVPNs Rabattpreis rein rechnerisch noch etwas unter Mullvads Pauschale. Der Rabatt gilt aber nur, wenn man sich im Voraus bindet und daran denkt, vor der automatischen Verlängerung zum vollen Monatspreis zu kündigen. Bei Mullvad gibt es dieses Spiel nicht. Was man sieht, zahlt man, dauerhaft.
Jurisdiktion und Eigentümerstruktur: der eigentliche Bruch
ExpressVPN ist auf den Britischen Jungferninseln eingetragen, einer Jurisdiktion außerhalb der Five-Eyes-Allianz mit grundsätzlich datenschutzfreundlichen Gesetzen. Auf dem Papier passt das. Das größere Problem liegt woanders: Seit 2021 gehört ExpressVPN zu Kape Technologies, einer Firma mit einer Vergangenheit im Adware-Geschäft, die außerdem CyberGhost, Private Internet Access und ZenMate besitzt. Diese Bündelung mehrerer VPN-Marken unter einem Dach ist genau die Art von Intransparenz, die datenschutzbewusste Käufer meiden wollen. Deshalb liegt ExpressVPNs Transparenzwert in unserer Datenbank bei nur 1/5.
Mullvad sitzt in Schweden, einem Fourteen-Eyes-Mitglied, was auf dem Papier schlechter aussieht, als es sich in der Praxis auswirkt. Die Firma gehört privat ihren beiden Gründern Fredrik Strömberg und Daniel Berntsson über Amagicom AB. Kein Private-Equity-Investor, keine Holding, keine Übernahmehistorie. Transparenzwert: 5/5. Mullvad setzt sich seit Jahren öffentlich gegen behördliche Datenanfragen ein und veröffentlicht Details, wenn solche Anfragen eingehen.
Wer das Jurisdiktionsrisiko gegen die Transparenz der Firmenstruktur abwägt, findet bei Mullvad die beruhigendere Struktur, auch wenn der Firmensitz technisch in einem Land liegt, das Teil der Überwachungsallianz ist, der ExpressVPNs Sitz auf den Britischen Jungferninseln nicht angehört.
Logging und Audit-Geschichte
Beide Anbieter behaupten eine No-Logs-Politik, und beide haben für eine externe Prüfung bezahlt. ExpressVPN wurde einmal von PwC geprüft. Mullvad hat mehrere Audits mit der deutschen Sicherheitsfirma Cure53 durchlaufen, die sowohl die Infrastruktur als auch die Apps abdeckten.
Den größeren Unterschied macht, was bei der Anmeldung überhaupt erhoben wird. Bei ExpressVPN braucht es eine E-Mail-Adresse, standardmäßig verknüpft mit einer Zahlungsmethode, außer man zahlt gezielt mit Krypto. Bei Mullvad reicht ein Klick auf “Konto generieren”, und man erhält eine Zufallsnummer. Keine E-Mail, kein Name, nichts, was sich zurückverfolgen lässt. Aufladen lässt sich das Konto anonym, sogar per Bargeld im Briefumschlag an das schwedische Büro. Allein dieser Anmeldeprozess macht Mullvad zur datenschutzfreundlicheren der beiden Optionen, unabhängig davon, was jede Firma über ihre Server-Logs verspricht.
Mullvads anonyme Anmeldung testen
Geschwindigkeit und Servernetz
ExpressVPN betreibt ein deutlich größeres Netz: über 3.000 Server in 94 Ländern. Mullvad fährt ein schlankeres Netz mit 769 Servern in 37 Ländern. In der Praxis zählt das weniger für die reine Geschwindigkeit (beide nutzen schnelle, moderne Protokolle) als für die Auswahl: ExpressVPN bietet mehr Ausgangspunkte, was hilft, wenn ein bestimmtes Land gebraucht wird oder ein überlasteter Server umgangen werden soll.
Bei den Protokollen gehen beide getrennte Wege. ExpressVPN hat mit Lightway ein eigenes Protokoll gebaut, ausgelegt auf schnelle Reconnects bei wackligen Mobilfunkverbindungen. Mullvad ging den umgekehrten Weg und gehörte zu den ersten VPN-Anbietern für Endkunden mit WireGuard, mit einem Netz, das nativ auf WireGuard läuft statt es nur als Zusatzoption anzubieten. Beide sind im Alltag schnell. Keins hat im Alltag einen durchgehenden Geschwindigkeitsvorteil.
Streaming: klares Ergebnis
Hier liegt der größte Unterschied. ExpressVPN erreicht die volle 5/5 beim Streaming und entsperrt Netflix, Disney+, BBC iPlayer, Amazon Prime, Hulu und Peacock zuverlässig. Es ist eines der wenigen VPNs, das auf fast allen großen Plattformen konstant funktioniert, ohne dass man Server durchprobieren muss.
Mullvad kommt auf 2/5. Es wurde nie mit Streaming im Blick gebaut, und die Philosophie eines kleineren, statischeren Serverpools macht es zur leichteren Zielscheibe für VPN-Erkennungssysteme der Streaming-Dienste. Wer hauptsächlich Netflix aus dem Ausland entsperren will, ist bei Mullvad am falschen Ort.
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Torrenting
Beide erlauben P2P-Traffic, was schon einen Teil der Konkurrenz ausschließt, die das nicht tut. ExpressVPNs größeres Netz bietet mehr Torrent-freundliche Standorte, falls einer vom Provider gedrosselt wird. Mullvads WireGuard-first-Infrastruktur hält die Verbindung bei der dauerhaften Upload-/Download-Last des Torrentens stabil, und die anonyme Anmeldung passt gut zu allen, die wollen, dass schon das Konto selbst keine identifizierenden Spuren trägt. Keiner von beiden protokolliert Traffic, also läuft die Entscheidung darauf hinaus, ob mehr Serverauswahl (ExpressVPN) oder ein schwerer zurückverfolgbares Konto (Mullvad) wichtiger ist.
Bedienkomfort gegen Datenschutz-Purismus
ExpressVPN gewinnt diesen Punkt klar für alle, die sich nicht tief mit VPN-Technik beschäftigen wollen. Die Apps sind auf Windows, macOS, Linux, iOS, Android und als Browser-Erweiterungen durchgängig gut gemacht, dazu eine wirklich gute Router-App. Die Einrichtung dauert wenige Minuten, und der Support reagiert schnell bei Problemen.
Mullvads Oberfläche ist bewusst minimal gehalten, fast schon nüchtern, und das Kontosystem (diese Zahlenfolge statt E-Mail und Passwort) bringt Neulinge ins Straucheln, die vergessen, sie sich zu notieren. Eine Wiederherstellungsoption gibt es nicht, verliert man die Nummer, ist das Konto weg. Das ist ein bewusster Kompromiss für Anonymität, macht Mullvad aber zur schlechteren Wahl für alle, die einfach nur ein VPN wollen, das im Hintergrund läuft, ohne dass man darüber nachdenken muss.
Wer Einsteiger ist oder ein VPN hauptsächlich für Streaming und alltägliches Surfen sucht, profitiert von ExpressVPNs Bedienkomfort. Wer ein VPN gezielt wählt, um keine identifizierbaren Daten preiszugeben, für den sind Mullvads raue Kanten der Preis für diese Anonymität, und den Preis wert.
Aktuelle ExpressVPN-Preise ansehen
Für alle, die einen Mittelweg zwischen ExpressVPNs Komfort und Mullvads Anonymität suchen, lohnt sich auch ein Blick auf NordVPN: großes Servernetz, starkes Streaming, dazu eine solidere Audit-Historie als ExpressVPN. Siehe die NordVPN-Pläne zum Vergleich.
ExpressVPN eignet sich für alle, die ein VPN wollen, das Streaming zuverlässig entsperrt, direkt nach der Installation ohne Konfiguration läuft und bei denen die Eigentümerschaft von Kape Technologies keine Rolle spielt. Mullvad passt zu allen, denen Anonymität wichtiger ist als alles andere: keine E-Mail, kein Name, Barzahlung möglich, und eine der transparentesten Eigentümerstrukturen der Branche. Beide lösen ein anderes Problem, und für die meisten datenschutzorientierten Leser spiegelt Mullvads Gesamtwertung von 4,2/5 das bessere VPN, nur nicht das bessere Streaming-Werkzeug.
FAQ
Ist Mullvad besser als ExpressVPN beim Datenschutz? Ja. Mullvads anonyme Anmeldung (Zufallsnummer, Barzahlung möglich) und die Eigentümerstruktur in Gründerhand schlagen ExpressVPNs E-Mail-Anmeldung und die Kape-Technologies-Eigentümerschaft bei jedem relevanten Datenschutzkriterium.
Warum ist ExpressVPN beim Streaming so viel besser als Mullvad? ExpressVPN erreicht 5/5 beim Streaming und entsperrt Netflix, Disney+, BBC iPlayer und Amazon Prime zuverlässig. Mullvad kommt nur auf 2/5, weil es nie für Geoblocking-Umgehung gebaut wurde und häufiger von Erkennungssystemen blockiert wird.
Kostet Mullvad wirklich immer gleich viel, egal welcher Plan? Ja. Mullvad berechnet pauschal 5€ im Monat, egal ob monatlich oder jährlich gezahlt wird, macht 60€ im Jahr. ExpressVPN arbeitet mit Staffelpreisen: 11,19€ im Monat bei monatlicher Zahlung, im Jahresplan 4,30€ pro Monat.
Kann ich ExpressVPN oder Mullvad zum Torrenten nutzen? Beide erlauben P2P-Traffic. Mullvads WireGuard-first-Netzwerk hält bei dauerhafter Torrent-Last gut durch, während ExpressVPNs größeres Servernetz mehr Standorte zum Verteilen des Traffics bietet.
Weiterlesen: ExpressVPN Testbericht 2026 und Mullvad Testbericht 2026. Zur Jurisdiktionsfrage im Detail: unser Leitfaden zur VPN-Jurisdiktion.